Christian hat sich doch für Nadine entschieden. „Es ist wie beim Klamottenkaufen, man geht in das erste Geschäft und findet z.B. einen echt geilen Pullover. Dann rennt man durch die ganze Stadt von Boutique zu Boutique probiert noch etliche Teile an, um dann am Schluß wieder im ersten Geschäft zu landen , den Pulli zu bezahlen und mitzunehmen.“, ließ er uns wissen. Christian ist mit seiner Wahl sichtlich zufrieden und mit dem Gedanken spielend, dass er vielleicht bei unserer Rückkehr auf den Arbeiterplaneten einen Austausch vornehmen könnte, sieht man ihn meist fröhlich ein Liedchen trällernd im Schiff herumstolzieren. Mike hingegen verflucht seine Ehrlichkeit. Vera war alles andere als begeistert, als er ihr von den Geschehnissen im Stripschuppen berichtete. Mit den Worten: „Da hättest du besser gleich mitgemacht, denn zu mir brauchst gar nicht mehr zu kommen.“, quittierte Vera ihm die Freundschaft. Auch Gutes zureden von Sophie konnte sie bis auf weiteres nicht gnädig stimmen. „Spätestens wenn der Griesgramglobus auf unseren Schirmen auftaucht hat sie sich wieder beruhigt.“, versuche ich Mike zu trösten. „Wirst schon sehen, wenn wir die Gefahr um unsere Existenz vor Augen haben, ist niemand gerne allein. Sie wird dann sicher eine starke Schulter zum Anlehnen brauchen und wenn du Glück hast ist auch dann die Trockenzeit beendet.“ Der Wodka Brause Zerstäuber ist zum Bersten gefüllt. Die ganze Flotte steht Abflugbereit am Eingang des Wurmloches um die Ecke des Arbeitsplaneten. „Wir sollten ihn in Orgienplaneten umbenennen.“, meinte Stefan noch. Doch die Bewohner wollen sich noch ein wenig Zeit mit der Namensgebung lassen. Sie möchten zuerst mal wissen, wie sich ihre Lebensweise in Zukunft gestalten wird. „Vielleicht nennen wir uns ja einfach die Wiederbelebten oder Ex-Arbeiter und den Planeten Striptease oder Spaßfaktor, wir werden es euch bei Eurer Rückkehr wissen lassen.“, kommentierte der bucklige Alte die Namensdiskussion, der zu seinem Bedauern bei unserer Veranstaltung aufgrund seines schwachen Herzens sich in Zurückhaltung üben musste.
Nach und nach verschwindet ein Schiff nach dem anderen im Strudel des Wurmloches. Wir sind für alles gewappnet. Uns immer wieder Mut zusprechend, hoffen wir die Tage des griesgrämigen Griesgramglobuses zählen zu können.
„Ich bin mir zwar nicht hundertprozentig sicher, ob ich alles nur träumte oder mir die neue Gemüsemischung einen Streich gespielt hat, dennoch bin ich der festen Überzeugung, dass irgendein Signal von einem ganz in der Nähe liegendem Dope-Planeten meine Sinne streifte. Wahrscheinlich entwickle ich dank dem Chefbotaniker schon übersinnliche Kräfte oder einfach ein gutes Näschen dafür, wo es wirklich etwas Feines zu Dampfen gibt.
Ich fühle mich schon wie ein Trüffel-Schwein. Ich rieche exzellentes Gras und weiß genau, das es irgendwo da draußen zu holen ist. Auch bin ich mir fast sicher, dass die Bewohner dieses Planeten mit mir in Verbindung treten wollen, denn ich höre immer wieder Stimmen an mein Ohr dringen. Sie suchen einen König, jemanden der gerecht dafür sorgt, dass niemals der Stoff ausgehen werde.“, Heidi rüttelt Beat am Arm. „Aufwachen, aufwachen, Du träumst wirklich.“ Wir sitzen gerade gemütlich an der Strandbar und genießen die unbeschwerte Zeit bevor es ernst wird. Heidi begießt Beat mit Eiswasser bis er mit roten Augen, zerknittertem Gesicht und völlig verdattert sich erhebt um den Dope-Planeten zu suchen, wie wir ihn noch nuscheln hören. Er stolpert am Strand entlang und verschwindet kurz danach Richtung Ausgang. „So abgehoben habe ich ihn wirklich noch nie gesehen“, meint Heidi, die unser Lachen kaum übertönen kann. „Ach ist doch alles halb so wild.“, Christian der gerade ein Zigarettchen kreisen lässt, weiß Schlimmeres zu berichten: „Ich kannte mal einen, der hat die halbe Nacht damit verbracht, die Mosquitos vor seinem Gesicht zu verscheuchen und gleichzeitig versucht die Ameisen von seinen Beinen zu schütteln, da er annahm er würde im Dschungel Jagd auf Elefanten machen und sei nun in eine Falle des Dschungelgottes getappt, die es ihm unmöglich machte aus dem Ameisenhaufen herauszukommen. Als er aufwachte hatte er ein blaues Auge, eine ausgerenkte Schulter und ein gebrochenes Schienbein, das er sich an der Bettkante abgeknickt hat. Aber ich kann Dich beruhigen, nachdem man ihm das Bein eingegipst hatte, saß er schon wieder fröhlich auf dem Balkon des Krankenhauses und brachte den Ordensschwestern die Kunst des Inhalierens ohne Husten bei.“
„Wenn der so weiter macht sieht er bald aus wie Runzelrosi“, bemerkt Stefan um weiter die Frage an Karin zu richten, warum Männer keine Zellulite bekommen. Nachdem er ihr Achselzucken mit einem „weil’s einfach scheiße aussieht“ beantwortet, hören wir ihn nur schmerzhaft aufschreien und sehen wie er fluchtartig zum Wasser humpelt um sein lädiertes Schienbein zu kühlen. Noch während des Versuches mir das Lachen zu verkneifen, bekomme ich von Sophie rein prophylaktisch mein frisches Weizen über den Kopf geschüttet, um zusammen mit Christian und Mike unser Heil in der Flucht ins Wasser zu suchen.
„Ihr könnt wieder rauskommen.“, ruft Nadine nachdem ihr Karin eingebläut hat, dass auch sie das nächstemal in einer vergleichbaren Situation, die Ehre der Frauen verteidigen muss. Christian der sein sorgenfreies Zusammensein mit ihr ein wenig schrumpfen sieht, erhebt gerade nachdem wir uns abgetrocknet und wieder hingesetzt haben sein Bier um auf Beats Visionen anzustoßen, als ein heftiges Ruckeln uns von den Stühlen fallen lässt. Glücklicherweise landen wir im weichen Sand, doch jeder Versuch sich wieder auf die Beine zu stellen scheitert kläglich. Wie bei einem Flugzeug in einer Turbolenz werden wir am Boden liegend durchgeschüttelt bis nach einigen Minuten der ganze Spuk vorbei ist und wir sehen, wie die Kellner unser Tische und den Boden rundrum abwischen und neue Getränke bereitstellen.
„Ja zum Kuckuck, was war denn das?“, Sophie schüttelt sich den Sand aus der Kleidung.
„Ich habe keine Ahnung.“, Schluckspecht, der mit Jessie direkt an der Bar stehend nicht so glimpflich wegkam, wischt sich das Blut von seinen aufgeschürften Knien. Jessie, die direkt mit der Nase auf den Tresen knallte, hält den Kopf in den Nacken und versucht mit ein paar Eiswürfeln die Blutung zu stillen. Ich blicke mich um. Trinkernase wird wohl ein paar blaue Flecken an den Ellbogen davontragen, Schlendria reibt eine leicht aufkommende Beule an der Stirn und Schluckadia wird für absehbare Zeit nur mehr ein Dreiglashalter sein, da sie sich einen Daumen verstaucht hat. Die Sanitätsroboter stürmen herbei und versorgen unsere Wehwehchen.
„Wir werden es überleben.“, muntert uns Trinkernase auf. Nach der ersten Bestandsaufnahme hat keiner nach einem kurzen Quick-Check des Schiffes durch Dumpfhirn ernsthaftere Verletzungen davongetragen. Die meisten befanden sich eh mit uns am Strand. Nur ein paar blaue Flecke, etliche Prellungen und Abschürfungen sind das Resultat. „Das hatten wir noch nie.“, Trinkernase steht vor einem Rätsel.
„Vielleicht sollten wir versuchen das Phänomen bei einem Schlückchen Bier zu ergründen.“, meint Stefan.
„Du denkst auch immer nur ans Saufen“, Heidi hat noch keine direktes Lebenszeichen von Beat erhalten und macht sich ein wenig Sorgen. „Aber nein, ich will ja nur versuchen, unser Hirn auf das Niveau von Beat runterzubringen, wer weiß vielleicht können wir dann geistigen Kontakt zu ihm aufnehmen.“
Um ein wenig den Wind aus den Segeln zu nehmen erklärt uns Dumpfhirn: „Macht euch keine Sorgen, wenn irgendetwas Schlimmeres passiert wäre, hätten unsere Sensoren dies schon längst bemerkt, soweit ich weiß dämmert Beat irgendwo in der Kommandozentrale vor sich hin und ist gänzlich unverletzt.“
„Da sieht man es wieder; Besoffenen, Bekifften und kleinen Kindern passiert nie etwas, die haben einfach Glück.“, und um unser aller Glück ein wenig anzukurbeln bestellt Stefan eine Runde Grappa für die ganze Mannschaft. Als Mike gerade dem Glück mit einer Lage Vierglashalterwodka weiter auf die Sprünge helfen will, erscheint der Flottenadmiral mit Beat im Schlepptau in unserer trauten Runde. Er spricht ein paar Minuten mit Trinkernase, der kurz darauf einigen Kellnern deutet Champagner für alle bereitzustellen, Beat herzlich umarmt um danach dessen Arme in Siegerpose nach oben zu reißen.
„Hast du am Ende doch einen unbekannten Grasplaneten entdeckt?“, Vera, die Dank dieser kleinen Schüttelunterbrechung immer noch in Mikes Armen liegt, spricht aus was die Meisten denken. Beat, der immer noch ein wenig konfus dreinblickt weiß nur soviel: „Entdeckt habe ich was, aber was nun genau, das muss mir schon noch mal erklärt werden.“
„Auf Beat, den Entdecker“, erhebt Trinkernase sein Glas und als wir unsere Gläser auf den neuen Stern am Forscherhimmel geleert haben, erhalten wir durch Trinkernase die nächste Lektion in Sachen Wurmlöchern:
„Zuerst dachte ich schon, dass wir schön langsam auf die Roboter abfärben und dass sie jetzt schon besoffener als wir die Flotte lenken. Doch ich tat dem alten Admiral unrecht. Bisher war es immer nur eine Theorie. Unsere Astrophysiker haben sich darüber immer die Köpfe zerbrochen und die blechernen Münder fusselig geredet. Doch ein Beweis konnte nie geliefert werden. Wie Ihr wisst, wird von diesem Schiff aus die ganze Flotte zentral gesteuert. In der Kommandozentrale laufen sämtlich Daten und Reiserouten zusammen. Unser Admiral ist ein hervorragender Astronaut und Kartenleser. Er bringt uns immer sicher an unser gewünschtes Ziel. Wir wurden bisher noch nie von ihm enttäuscht.“ Trinkernase klopft ihm wohlwollend auf die Schulter. Wahrscheinlich hat er über die ganze Begeisterung vergessen, dass es sich auch bei einem noch so guten Admiral um einen emotionslosen Roboter handelt, denn dieser geht nur kurz in Habachtstellung um sich wieder seinen Aufgaben auf der Kommandobrücke zu widmen. „Na ja. doch ein Blechkasten“, fährt er fort. „Es gab eben diese Theorie, dass sich innerhalb eines Wurmloches eine weitere Dimension verbirgt. Unsere Wissenschaftler nennen es eine „Verkürzende Wurmlochumgehungsstraße“. Diese ermöglicht es die sowieso schon kurze Zeit von einem Ende des Universums zum Anderen, weiter zu verringern. Wenn wir diesen Weg einschreiten, benötigen wir nur noch ungefähr vier Tage bis wir das All durchflogen haben. Die Einzigen Entfernungen die somit von der Zeit noch ein wenig aufwendiger zu durchreisen wären sind die Abstände von Wurmloch zu Wurmloch. Aber auch die sind ja, wie Ihr auch schon mitbekommen habt, ohne große Anstrengung zu bewerkstelligen. Das Ruckeln war eine zu rasch ausgeführte Kursänderung. Es wurde vergessen die Segmente in die richtige Ausgangsstellung zu bringen. Nachdem wir aber nun wissen, welche Merkmale eine Wurmlochumgehungsstraße hat, können wir diese in jedem Wurmloch ausfindig machen und sparen bei jeder Reise Zeit. Entfernungen wie wir sie noch vor wenigen Jahren kannten, sind nicht mehr existent.“
„Und was hat nun Beat damit zu tun?“, Heidi, die zwar froh darüber ist, dass sie Beat wieder unversehrt in die Arme schließen konnte, möchte nun doch wissen, warum sie sich vielleicht bald von ihm ein „komm an meine Heldenbrust“ anhören muss. „Tja, nachdem er auf dem ganzen Schiff keinen Dope-Planeten entdecken konnte, landete er nach ein paar Zwischenstopps in diversen Kneipen und noch einigen Zügen aus seinem Pfeifchen schließlich in der Kommandozentrale und spielte während der Kommandoübergabe an den ersten Offizier unbemerkt mit ein paar Knöpfen und Schaltern rum. Ehe der Admiral bemerkte, was gespielt wurde, befanden wir uns schon in der Umgehungsstraße. Er hat rein zufällig durch sein unbefugtes rumfingern den Kurs des Schiffes geändert, was ihn zwar als Entdecker ehrt ihm aber auch ein künftiges Betretverbot der Kommandobrücke einbringt.“ Sichtlich erleichtert über diese Ausführungen und der Gewissheit, dass Beat nicht zu weit abheben wird, umarmt sie ihn, um zusammen ein paar Züge aus der Karrenpfeife zu nehmen.
„Und wann sind wir dann am Griesgramglobus?“, möchte Vera, immer noch Mikes Hand haltend, wissen.
„Morgen erreichen wir seine Umlaufbahn.“, bumms, die Antwort von Trinkernase hat gesessen.
„Was, Morgen schon? Dann kann es ja sein, dass wenn wir Pech haben, heute unserer letzter Abend des Daseins vor uns steht. Welche Verschwendung. Ich krieg fast ein schlechtes Gewissen, wenn daran denke, das unsere ganzen Weizenvorräte von niemanden mehr genossen werden können.“ Um das gute Zeug nicht sinnlos im All schweben zu lassen schlägt Stefan außerdem vor, dass wir heute noch mal eine richtig Sause feiern sollten, damit wenigstens ein bisschen von den Bierbeständen noch eine Chance hat in unseren Mägen zu landen. Trinkernase ist ganz seiner Ansicht und mit dem Kompromiss, dass wir den Nachmittag auf unserem Zimmer verbringen werden, kann ich auch Sophie davon überzeugen, dass ein wenig Feiern allemal besser ist als die ganze Nacht schlaflos auf eine eventuelle Auflösung durch den Griesgramnebel zu warten. Mit einem ähnlichen Kompromiss kann auch Mike Vera überzeugen, der an diesem Nachmittag das Ende seiner Durststrecke erlangt. Stefan und Karin haben sich anerboten, die besten Biere, Weine und Spirituosen zusammen mit einigen Vierglashaltern für uns auszuwählen und vorzukosten. Ich sehe ihn vergnügt in die Hände spucken und sich an die Arbeit machen, als Christian mit Nadine auf mich zukommt, jedoch kurz bevor sie mich erreichen Richtung Dschungel abbiegen und ich Nadine zu Stefan rufen höre: „Wir sind gleich wieder da und helfen euch dann Vorkosten, lasst noch was übrig.“ Mit einer hilflosen „Was-soll-ich-Denn-machen-Gestik“ trottet Christian ihr ungefähr zum dritten Mal an diesem Tag nach, um seine Entwicklungshilfe vertiefen zu müssen.
„Eigentlich müsste er froh sein, dass wir Morgen schon den Griesgramglobus erreichen, wenn das mit ihm und der immer wissbegierigen Nadine so weiter geht, kommt er bald auf dem Krückstock daher. Er ist ja schließlich auch nicht mehr der Jüngste.“, Sophie grinst und scheint sich wohl doch nicht so richtig Sorgen um ihn zu machen. Diese wären auch ziemlich überflüssig, so wie ich Christian einschätze, ernährt er sich mit Sicherheit schon seit Tagen heimlich von Sellerie, Ginseng, Vitamin C Pulver und Alraunenwurzeln. Von seinem übermäßigem Genuß an Austern, Kaviar und Krimsekt ganz zu schweigen. Heidi und Beat machen sich noch ein wenig Sorgen wegen Morgen: „Hoffentlich kommen wir heil aus der Sache raus. Wenn ich an die noch unzähligen ungetauften Sandkörner denke, kriege ich direkt ein schlechtes Gewissen in Nebel aufgelöst zu werden.“, erklärt uns Beat uneigennützig. „Und vor allem wenn man bedenkt, dass sie ohne unseren Segen nie in den Sandkornhimmel kommen werden um die ewige Brandung zu erlangen, möchte ich heulen.“, fügt Heidi hinzu. Nach einigen weiteren Zügen aus der Karrenpfeife sind sie mittlerweile schon bei Sandkorn 3458 angelangt.