Mit einigen angenehmen kulinarischen Unterbrechungen u.a. in Valencia, Granada, Ronda und Malaga erreichen wir nach ungefähr einer Woche Marbella. Wir sitzen gerade am glamourösen Yachthafen und betrachten uns bei ein paar Fläschchen Champagner die umliegenden Luxusboote. Quartier haben wir mittlerweile in einer der pompösen Villen irgendeines Araberscheichs bezogen. Wir genießen jeden Tag indem wir uns frischen Fisch und Meeresfrüchte zubereiten, die Christian und Mike immer beim Angeln vom Steg herausziehen. Karin zeigt den Damen unserer Runde immer wieder neue Köstlichkeiten und Rezepte, die sie uns auf den Tisch zaubern. Ich kümmere mich mit Beat um die Getränkevorräte und Stefan betätigt sich als „Neuigkeitenscout“ wie er sagt. Er verbringt die meiste Zeit oberhalb des Hafens mit einer Kiste Weizen bewaffnet und beobachtet mit einem Himmelsteleskop das Meer. Die Schranken, die bisher immer die Zufahrt zu den teuersten Yachten versperrten haben wir abmontiert, um zu vermeiden, dass wir eines der schönen Autos demolieren die wir uns geliehen haben. Auf diese Idee kam Karin als sie von der Villa mit einem Ferrari in der Dämmerung ohne Licht um die Ecke schoss und nur um haaresbreite der Enthauptung durch eine heruntergelassene Schranke entging.
„Ihr Idioten“, bemerkt Stefan als er sich gerade bei einem Weizen eine Pause von der Meeresbeobachtung und Nachschubholung gönnt.
„Was denn? Wir sitzen doch gemütlich wie jeden Tag hier und warten auf das was der Abend auf den Tisch bringt?“ Christian hatte heute mit Mike einen sehr guten Fang und wartet wie wir anderen auch, was wir wohl zubereitet bekommen werden.
„Habt ihr denn nicht gewusst, dass ich einen Segelschein habe und in Navigation und allem was dazugehört sehr bewandert bin? Muss ich denn an alles Denken? Ich beobachte den ganzen Tag das Meer und zermartere mir den Kopf wie wir vielleicht was anderes machen könnten und keinem kommt es in den Sinn, dass ich ein Spitzensegler bin. Also ehrlich, wenn ich nicht wüsste was ich weiß, wo kämen wir dann hin?“
Jessie prustet Ihren Wein heraus: „Was Du kannst segeln?“
„Ja kann er, er hat sogar eine Nussschale von Italien nach Thailand gebracht.“, ziemlich betreten blickt Karin in die Runde.
Ich wusste es auch. Doch der Gedanke kam mir nie in den Kopf. Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich zweimal mit ihm von Phuket nach Malaysia gesegelt bin und jedes Mal kurz vor dem Tode stand. Seekrank.
„Ja verflucht“, Jessie hakt nach. „Dann wäre es doch ein einfaches für dich ein Boot zu schnappen und einfach über die Meere zu schippern?“
Stefan nickt, hebt sein Weizen und meint, dass Kapitän Ahab gegen ihn ein richtiges Weichei gewesen wäre und dass überhaupt auch Käptn Nemo zuerst Segler war, der nur das Geschaukel oberhalb der Wasseroberfläche nicht vertragen hat.
„Aber wohin könnten wir denn eine Tour unternehmen?“ frägt Sophie
„Malle“, Jessie und Christian sprechen aus einem Munde.
Die meisten sind diesem Gedanken nicht abgeneigt. Denn wenn es noch etwas gäbe, das die Trinker dieser Erde mehr als Lloret de Mar bündelt dann ist es Arenal zumindest hier in Europa. Sicherlich, es gibt noch Magaluf, ein oder zwei griechisch Inseln und natürlich das Oktoberfest, doch dafür befinden wir uns in der falschen Jahreszeit. Vielleicht ist ja doch etwas Wahres an der Geschichte mit dem Wodka Brause und abgesehen davon, dass Mallorca ein Insel ist und schwer zu erreichen, könnte es ja dennoch sein, hier einige Menschen, trotz der verschwindend geringen Chance des eventuellen Wodka-Brause-Rettungszeitpunkts anzutreffen.
Wir diskutieren die Frage, ob wir alle unsere Vorräte mitnehmen oder sie einfach verstecken, wenn wir uns auf die Reise begeben.
Mike bringt es dann irgendwann auf den Punkt:
„Schaut doch mal, wenn wir jetzt nach Mallorca fahren, gibt es mit Sicherheit auch alles was wir hier haben.“
„Weizen auch.? Stefan hat noch seine Zweifel.
Mike weiß ihn zu beruhigen:
„Klar ich war schon ein paar Mal dort. Es gibt alles, was das geschundene Trinkerherz begehrt. Ich glaube sogar zu wissen, dass dort Weizen irgendwo in Lizenz produziert wird.“
Ich sehe Stefan aufatmen. Der Entschluss wird gefasst nach Mallorca zu fahren.
Wir haben unsere Probleme das passende Schiff für uns zu finden. Einige wollen eine romantische Segeltour, andere wollen gleich mit einer Fähre von Valencia losfahren um möglichst viel mitnehmen zu können.
Wir einigen uns darauf eine der Luxusyachten hier aus Marbella zu nehmen, diese mit möglichst viel zu beladen, unsere Trucks zu verstecken und einfach mal loszugurken.
Trainingscamp für Segler die Riesenyachten steuern wollen:
Glücklicherweise begannen Stefan, der Kapitän und Jessie, der technische Offizier alleine auf einer 25 – Meter Yacht. Jessie schaffte es die Maschine in Gang zu bringen und Stefan hatte auch schon den Kurs berechnet. Alles bereit. Wir anderen waren noch ein wenig skeptisch und haben beschlossen die Szenerie in sicherem Abstand mit Bier, Wein und kleinen Häppchen zu beobachten. Das Signalhorn ertönte. Rumms. Volltreffer. Der kleine Segler nebenan beginnt zu sinken. Tosender Applaus von unseren Tischen, die wir direkt vor dem Schiff platziert haben. An den Tischen heben sich die Gläser. Stefan winkt uns über die Reling. Er entschuldigt sich damit, dass er dem technischen Offizier das Steuer übergeben hätte.
„So ein Depp“, Jessie winkt auch. „Ich dachte er wäre am Steuer.“
„Kapitänsempfang“, Stefan schwingt ein Weizen vor unseren Nasen.
Nächster Versuch. Die Kaimauer war stärker als das Schiff. Vorne befindet sich eine Riesendelle. Neues Boot.
Jessie ist ein technisches Genie. Kurz nachdem sie und Stefan auf die nächste Yacht gepilgert sind, dröhnen die Motoren. Diesmal winkt uns Stefan aus dem Führerstand. Weizen bei Fuß. Rumms.
„Tut mir leid, falscher Gang, ich glaube die Schraube ist im Arsch.“, erklärt er uns als er wieder von Bord klettert. Jessie ist am verzweifeln:
„Da hilft der beste Mechaniker nichts, wenn der Kapitän nicht den Unterschied von Bug und Heck kennt.“
„Was sollen wir erst sagen.“, Beat gibt sich entrüstet. „Kaum haben wir es uns mit allem genau vor euch bequem gemacht, dann müssen wir schon wieder die Tische, Getränke und Häppchen verrutschen, um euch überhaupt folgen zu können. Ihr zwei schafft es wirklich ein 10-Millonen Euro Schiff schneller zu zerstören als wir fähig sind ein Glas auf Ex auszutrinken.“
„Ist nicht wahr.“ Stefan zieht an. „Nur fünf Sekunden und das Weizen ist leer. Zum Zerstören brauchten wir immerhin 5 Minuten.“
Nochmals Applaus.
Schön langsam wird es eng. Nachdem Stefan und Jessie, zwar mit immerwährenden Fortschritten, noch einige Boote zu klump gefahren haben, bleiben nur noch 30 oder 40 übrig.
Ich habe wirklich meine Zweifel. Gesunder Zweckpessimismus.
Nach ungefähr 15 - 20 Tischverschiebungen und noch vielmehr gerammten und versunkenen Booten sehen wir ein Schiff aus dem Hafen fahren, eine Weile überhaupt nichts und dann eine wiederkehrende 60-Meter-Yacht.
„Auftanken“, befiehlt der Kapitän. „Heute Abend laufen wir aus.“
Jessie und Stefan steuern noch mal die Zapfsäule des Hafens an.
Das Schiff ist vollgetankt. Die Menge langt ungefähr für eine Fahrt in die Karibik. Doch nachdem auch wir durch diese ungeheure Prozedur ein wenig müde sind, die Offizierserfolge feiern und dieses Schiff noch beladen müssen, stechen wir drei Tage später Richtung Mallorca in See.