Wir machen uns nicht die Mühe den Hafen von Palma de Mallorca anzulaufen. Direkt am Strand der Playa de Palma machen wir Stopp. Ich weiß noch bei unserem Törn in Thailand hatten wir ein Dingi. Hier haben wir Schnellboote, die wir nur abseilen müssen. Christian, Jessie, Stefan und Karin bleiben an Bord. Wie sie meinen sei dies sehr uneigennützig. Jedoch ist mir nicht entgangen, dass sich in der Kapitänskajüte ungefähr 20 Kisten Weizen befinden, die Stefan dort gebunkert hat.
Wir anderen erreichen den Strand am Ballermann 6. Leer. Es ist ungefähr 16.00 Uhr nachmittags. Das gleiche Bild wie überall. Die Autos stehen auf den Parkplätzen nur für uns gemacht. Ich will zum Bierkönig.
Tote Hose. Die Zapfanlage funktioniert. Schönes KöPi als erstes. Ich hatte den Gedanken, dass es mittlerweile ziemlich schal in den Fässern liegen muss. Es schmeckt frisch. Eines auf die Schnelle zur Stärkung, danach begebe ich mich auf die Suche zur Bierkühlung. Im Keller werde ich fündig. Ein Paradies. KöPi in 50ern, 100ern und 200 Liter Fässern. Ich lege mir ein 50er auf die Schulter und schleppe es die Treppe hoch, an der Zapfanlage noch ein Schnelles zur Stärkung. Mit lautem Geschepper schlendere ich wieder, das Fass vor mir herrollend, Richtung Ballermann.
„Die Mühe hättest Du Dir sparen können.“, Beat zapft gerade eine Runde Pils für alle.
„Ich will aber KöPi, wenn ich schon mal hier bin.“ Hurtig klemme ich ein Fass ab und hänge mein persönliches Bier an die Leitung.
„Wenn Du ganz lieb bitte, bitte sagst bekommst Du ein frisch gezapftes Pils von mir.“, Beat hat mich schon fünf Minuten beobachtet, wie ich mich abmühe mein Privatpils schaumfrei zu bekommen, doch bei dem Geschüttle den ganzen weg herunter vom Bierkönig, kann das noch Stunden dauern. Mein Durst zwingt mich zur Aufgabe.
„Bitte, bitte Bier“, ich gebe mich geschlagen.
„Geht doch.“, unter schallendem Gelächter der ganzen Truppe, reicht mir Beat endlich einen kühlen Schluck und ich setze mich zu den anderen, um zu beobachten, wie gerade die „Schiffswache“ mit einem anderen Schnellboot am Strand anlegt und uns entgegentorkelt. Wunderschön geht die Sonne am Horizont unter und verdampft zischend im Meer. Die Abenddämmerung legt sich gerade über Arenal und wir beziehen, nachdem wir uns in den umliegenden Boutiquen mit Abendgarderobe eingedeckt haben, Quartier in einem der bezugsfertigen Hotels. Nach dem üblichen Abendessen in einem der umliegenden Restaurants, schalten wir im Bierkönig die Scheinwerfer an, drehen die Musik auf und lassen das Bier in die Eimer plätschern.
Gegen Mitternacht beginnt es zu regnen und mit dem Hinweis, dass im Riu-Palace eh noch der Hund begraben liegt, schlägt Mike vor mal im Oberbayern vorbeizuschauen.
Laute Musik dröhnt uns schon am oberen Ende der Treppe entgegen, die den Zugang zum Kellereingang freigibt. Wie es mir scheint haben wir noch nicht genug intus, um die Stimme von Jürgen Drews und Co. zu ertragen. Doch die Aussicht auf Leute zu treffen lässt uns ein Weilchen verharren und Mike erklärt sich bereit, mal nachzusehen wen wir hier wohl antreffen werden. Er verschwindet hinter der Eingangstür. 30 Sekunden später stürmt er wieder die Treppe zu uns herauf.
„Außerirdische“, flüstert er
Ich gebe ja zu, dass die Gestalten, die sich da unten sonst immer mit ihren Lederhosen und Bierkrugmützen aufhalten, aussehen als ob sie nicht von dieser Welt wären, doch als Aliens würde ich sie dennoch nicht bezeichnen. Wie ich Mike kenne macht er sich wieder einmal einen wüsten Scherz mit uns.
„Sie sind gelandet, um unsere Welt zu vernichten.“, Mike lässt nicht locker.
Ich überlasse ihn und seine Ausführungen den anderen und beschließe selber mal nachzusehen. Wahrscheinlich sind die Playmates des letzten Jahres auf Betriebsausflug und Mike will als einziger Hahn im Korb bei ihnen Eindruck schinden. Ich öffne vorsichtig die vordere Eingangstür, schleiche durch den Vorraum und kiebitze in das Lokal. Soll ich wegrennen, lachen, weinen oder einfach mitmachen?
Sie sind zwar nicht grün. Doch mit Sicherheit nicht von diesem Planeten. Kleine Gestalten, ungefähr 1,50 Meter groß, ihre Körper gleichen einem aufrecht stehendem Tapir, ihre Hautfarbe irgendwie zwischen pink und gelb, nur die Nasen sind knallrot, sie haben kleine Mickeymausohren, sechsfingrige Hände, davon jeweils rechts und links einen Daumen, kleine Bierbäuche und O-Beine. Ihre Augen sind rehbraun und ihre Haare gleichen einer Ansammlung an Strohalmen. Die „Männer“ gekleidet mit Bermudas und Hawaiihemden scheinen sich intensiv um die „Frauen“ in Fransenröcken und Bikinioberteilen zu bemühen. Sonst alles wie in jeder Kneipe; die besoffenen hängen am Tresen und Paare die sich schon gefunden haben knutschen in den Ecken. Ich brauch einen Schnaps und schleiche mich wieder nach oben. Mike ist mittlerweile mit seinen Erläuterungen am Ende. Ich habe nichts hinzuzufügen. Der Regen prasselt nicht mehr so stark wie vorher auf uns hernieder. Christian lässt eine Flasche Wodka kreisen. Wir ziehen uns zwei Straßen weiter in eine kleine Bar zurück und jeder schnappt sich hinter der Bar eine Flasche von seinem Lieblingsgetränk oder wenigstens etwas Starkes. Kein lautes TamTam wie sonst auf unserer Tour. Wir finden ein paar Kerzen, entzünden sie und lassen uns in einer hinteren Ecke an einem Tisch nieder, so dass wir von der Straße nicht gesehen werden können.
Die Meinungen über unser weiteres Vorgehen gehen anfänglich sehr stark auseinander. Es fallen die verschiedensten Argumente wie fleischfressende Aliens, Versuchstiere, genmanipulierte Schimpansen, aber auch so etwas wie ET oder Alf.
„Wir sollten so schnell wie möglich hier verschwinden.“, meint zum Beispiel Heidi
„Aber vielleicht haben sie eine neue, bisher unbekannte Rauchpflanze.“, meint Beat
„Wohin verschwinden?“, wendet Jessie ein
Stefan ist der Ansicht, dass man den lieben Kleinen mal das Onanieren beibringen könnte, worauf er von Karin eine vors Schienbein bekommt. Mike will zurück zur Yacht und die Waffen holen und Vera möchte noch einen Schluck Wodka.
„Wenn da voll ist, gehen wir eben doch ins Riu-Palace“, Sophie macht den einzigen vernünftigen Vorschlag.
Christian ist ganz ihrer Ansicht und hakt bei ihr unter. Sie stehen auf, nehmen noch zwei Flaschen Wein aus dem Regal neben dem Eingang und schlendern los. Ich blicke mich in der Runde um. Stefan reibt sich das Schienbein und wird von Karin getröstet. Heidi diskutiert mit Beat, Mike mit Jessie und Vera, die schon ganz schön Schlagseite hat und gerade ein intensives Gespräch mit ihrem Wodka führt. Hier ist es mir auch zu blöd. Also auch eine Flasche Wein und ab ins Riu-Palace. Die Flasche wird nach 200 Metern immer leerer. Ich mache eine kurze Rast am Bierkönig. Wir haben vergessen die Musik abzustellen und die Lichter auszuknipsen. Auch recht. Ich lege mich auf den Tresen und starre zur Decke, öffne den Mund und lege mit der rechten Hand den Zapfhahn auf voll tanken. Zehn Sekunden und mir läuft das Bier wieder aus dem Mund heraus. Ich muss noch an meiner Schnellschlucktechnik feilen. Ich drehe den Hahn ab, lausche der Musik und starre weiter an die Decke. Eigentlich bin ich müde, doch Christian alleine mit Sophie? Ich weiß, unbegründete Eifersucht, doch nach einigem im Schädel macht man sich so seine Gedanken, zumal wenn einem 20 Minuten zuvor Außerirdische einen vorgetanzt haben. Also rapple ich mich hoch mache mir einen schnellen Eco zum Wachwerden, trinke entgegen meinen Gewohnheiten noch einen Red Bull, wasche mir das Bier aus dem Gesicht und mache mich schnellen Schrittes auf den Weg zum Riu-Palace. Es ist nur eine kurze Strecke. Die Straße hoch und dann einfach ein paar hundert Meter links. Vor einem Getränkeladen muss ich pinkeln und bekomme gleichzeitig Durst. Ich fühle mich wie ein Alkohol-Katalysator. Oben Bier oder Wein rein – unten Wasser raus. Katalysatoren werden gewechselt und entsorgt. Was passiert mit meinen Innereien? Ich verwerfe diesen Gedanken schnell wieder und betrete den Getränkeladen, schnappe mir ein paar Dosen Castlemaine XXXX und höre nach ein paar Schritten schon die Musik aus dem Riu-Palace schallen. Die ganze Trinkerei hat mich doch durstig gemacht. Ich gönne mir noch eine Dose auf der Eingangstreppe bevor ich hineingehe.
Die Zigarette fällt mir fast aus dem Mund. Eine Bierdose kann ich noch retten bevor sie auf den Boden knallt und sich in ein Schaumgemisch verwandelt. Christian gibt gerade mit einer UFO-Frau einen wilden Tanz auf einer der großen Lautsprecherboxen und Sophie, alle überragend, scheint gerade ein Wodka-Brause-Wetttrinken mit einem der Hawaii-Hemden-Träger zu veranstalten. Bevor ich überhaupt weiß wie mir geschieht, stehe ich schon mitten auf der Tanzfläche und werde mit einem Bier begrüßt. Hände klopfen anerkennend auf meine Schulter und zu meiner Verwunderung sprechen alle nicht nur deutsch sondern genau meinen Dialekt. Nachdem ich mit dem Bier in der Hand ein, zwei Lieder mitgetanzt habe, kämpfe ich mich durch das Getümmel zu Sophie. Komisch mit ihr wird hochdeutsch gesprochen. Christian gesellt sich kurz darauf zu uns. Mit ihm sprechen unsere neuen Brüder im Geiste oder vielmehr geistiger Getränke wieder unseren Dialekt. Wenn sie uns etwas sagen wollen, das uns drei betrifft sprechen sie Englisch. Auf meine Frage wieso jeder von ihnen dies so handhabt kriege ich folgende Erklärung:
„Wie ihr sicherlich bemerkt habt sind wir ein fröhliches Völkchen und dem Feiern und einem Bierchen nie abgeneigt. Wir haben in unserer Galaxie schon etliche Planeten mit unseren Gelagen überzogen. Auch dort werden unter anderem verschiedene Sprachen gesprochen, genau wie bei euch sind die meisten Planeten in sich zerstritten, doch wie wir festgestellt haben, wenn getrunken wird fallen alle ethnischen, religiösen oder sonstige Streitereien in den Hintergrund. Es wird gefeiert und damit hat es sich. Kein wenn und kein aber. Es ist egal wie jemand aussieht, wie viel er verdient oder woher er kommt, wohin er will oder was er morgen vorhat. Auch wir sind keine Sprachgenies, bei ca. 10000 Fremdsprachen ist Sense, daher haben wir uns angewöhnt zuerst die Sprachen der drei trinkfestesten Völker auf einem Planeten zu erlernen bevor wir ihn besuchen. Hier waren es Deutsch, Englisch und Euer komisches Kauderwelsch. Was uns stutzig macht, alle anderen Trinkergemeinschaften bestehen aus einigen Millionen, doch Ihr seid aus einer Region mit nur ca. 10000 Einwohnern. Na ja, jedenfalls haben wir festgestellt, dass wenn mehrere Leute unterschiedlicher Sprache unterwegs sind, meist Englisch gesprochen wird. Somit sprechen wir, damit es ihr alle versteht einfach Englisch, wenn mehrere von Euch auf einem Haufen sind.“
Christian klärt sie auf, dass es wahrscheinlich am Besten ist, wenn sie einfach mit uns hochdeutsch sprechen, so kriegen alle etwas mit und niemand von den trinkfreudigen Außerirdischen muss sich verkünsteln.
Wir erzählen uns noch einige unanständige Witze und veranstalten einen Tanzwettbewerb. Sophie gewinnt.
Ich meine Christian gerade mit einer Fransenrockfrau knutschen zu sehen und verliere die Peilung.