Als ich aufwache sitzen die anderen, sogar Christian, schon unten am Pool beim Frühstück. Kalte Dusche, rasieren schnell in die Shorts, T-Shirt drüber, ich habe Riesenhunger. Mit einigen Fragezeichen im und noch mehr Brettern vor dem Kopf setze ich mich an den Tisch. Sophie, die diesen Zustand schon ein oder zweimal, wie ich behaupte, fünf bis zehnmal, was sie mir vorwirft, erleben durfte fasst extra für mich zusammen:
„Also mein lieber Freund und Kupferstecher, nachdem du gestern am Tisch eingeschlafen bist und nur noch den Kopf erhoben hast, wenn du mit den Strohhalmköpfen auf die interstellare Trinkerunion anstoßen wolltest, was meist kläglich damit endete, dass du mit dem Kopf wieder auf den Tisch geknallt bist, haben wir uns ein bisschen mit ihnen unterhalten. Soweit ich mitbekommen habe, waren sie meist kreuz und quer im Universum unterwegs um auf trübsinnigen Planeten Partys und Gelage zu veranstalten. Sie setzten dann immer den ganzen Planeten unter Strom. Man muss sich das so vorstellen, als ob irgendein Getränkehersteller bei uns in einer Kneipe oder Disco eine Promotion mit Musik und Freigetränken ausrichtet. Manchmal besuchten sie auch sogenannte Partyplaneten, die rund um die Uhr auf Feiern ausgelegt sind, doch davon gäbe es viel zu wenige wie sie meinten. Sie hatten riesige Raumschiffe mit Millionen von Animateuren, Barkeepern, Go-Go-Girls und was sonst noch für eine gelungene Session notwendig ist. Was wir im Riu und Oberbayern sahen ist der traurige Rest ihrer Bevölkerung. Ihr Planet ist nach wie vor hochtechnisiert nur eben die Bewohner sind verschwunden, genau wie bei uns. Wir haben es ihnen zu verdanken, dass bei uns noch alles was irgendwie mit Technik, Strom, Energie und Lebensmittel zu tun noch intakt ist. Auf ihrem Planeten haben sie es soweit gebracht, dass sie überhaupt nichts mehr arbeiten mussten. Das gab ihnen auch die Freiheit immer auf Tour zu sein. Ihre ganze Versorgungskette funktioniert z.B. beim Bier, damit auch du es verstehst, so dass ausschließlich Roboter und Maschinen dazu da sind die komplette Nahrungsmittelkette, von der Hopfenaussaat, über die Ernte bis zur Produktion und Auslieferung zu übernehmen. So funktioniert es in allen Bereichen wie Raumschiffbau und Entsorgung, Energie und Kommunikation. Um darauf zurückzukommen wie sie es bei uns gemacht haben. Sie verfügen u.a. auch über eine sogenannte Fernsteuerungstechnologie, die es ihnen erlaubt mit einer sogenannten Multifernbedienung alles am Laufen zu halten. Auch auf ihrem Planeten ist alles noch intakt, nur natürlich noch wesentlich ausgereifter als hier.“
„Und wieso gerade bei uns?“, will ich wissen.
„Reiner Zufall. Sie schicken oder besser gesagt schickten, immer einige hundert Gruppen mit jeweils 200-300 Leuten als sogenannte Partyscouts durch das Weltall, um zu erkunden, wo richtig gefeiert werden kann bzw. welcher Planet mal eine richtige Sause nötig hat, die sie dann selbstverständlich ausgerichtet hätten. Bei uns funktionierte das ungefähr so. Sie richteten von ihrem Heimatplaneten sogenannte Gurgelfroschsensoren auf uns.
Dies war immer der erste Schritt, damit sie wussten, welche Sprachen sie zu lernen hatten. Hier wurde nicht nur nach offiziellen Sprachen sondern auch nach Dialekten unterschieden. Sie scannten die ganze Erde und stellten fest, dass der prozentuale Anteil von Spaßtrinkern auf die gesprochene Sprache eben bei Englisch, Deutsch und natürlich eurem Slang am größten war. Ich habe mir von einem der Kleinen sagen lassen ihr wäret mit Abstand die Besten gewesen.“ Das erklärt mir das Schulterklopfen von gestern Abend. Sie gibt mir einen kleinen Hieb mit den Ellenbogen und schaut mich schelmisch an.
„Ich hab es ja schon geahnt, doch jetzt habe ich die offizielle Bestätigung. Wo war ich stehengeblieben? Ach ja,
eben diese eine Gruppe Partyscouts muss wohl zum Zeitpunkt des Nebels hier in Mallorca gewesen sein. Wie sie mir sagten, waren der ganze Trupp zu dieser Zeit im Bierkönig und irgendeiner dachte, hier wäre wohl Pygmäenfasching und fand die „Verkleidung“ dermaßen Klasse, dass er eine Runde Wodka-Brause für alle schmiss. Wie mir einer der Strohhälmler sagte, vergaßen sowohl der Spender als auch einige von deren Truppe mitzutrinken und sind seit diesem Umtrunk nicht mehr gesehen worden.“
„Ah, verstehe“, ich frag mich was sie mir gerade sagen will.
„Tust du nicht, aber ich helf dir noch ein bisschen, damit die Sacher runder wird. Das mit den Gurgelfroschsensoren machten sie auf jedem Planeten. Sie begannen von Ihrem Planeten und erweiterten dann spiralförmig nach außen, damit auch keiner zu kurz kommt. Der Nachteil an den Sensoren war nur, dass er nur auf Spaßtrinker, Schluckspechte und Partyleute ansprach. Somit konnten sie hiermit nur die Leute ansprechen die sowieso schon tüchtig am Feiern waren. Dies war zwar ungemein praktisch, wenn man herausfinden wollte wo gerade die Post abgeht, jedoch haben sie sich ja zum Ziel gesetzt „Gute Laune“ überall im Universum zu etablieren, und genau da begann das Problem. Sie machten es sich zur Gewohnheit, was ich durchaus anständig von ihnen finde, unbekannte aber bewohnte Planeten, also solche wo nicht mal eine Pipette Alkohol verkonsumiert wird, einfach auf gut Glück mit einer Spontanfete zu überziehen. Was den Leuten auf auch durchwegs gefiel und sie voll abgingen. Doch vor geraumer Zeit kamen Sie einer fremden Macht ins Gehege. Sie nennen es spaßeshalber den „Griesgramglobus“. Dieser hatte weit, weit weg von ihrer Galaxie damit begonnen die Einwohner in seinem Umfeld auszubeuten und zu unterdrücken. Auch spiralförmig und auf Expansionskurs. Es wurde nicht mehr gefeiert und über die Jahrtausende wurde Spaß und lachen einfach unbekannt.“
„Jetzt wird mir klarer“, ich verstehe immer nur noch Bahnhof.
„Das einzig Klare an dir ist der Wodka in Deiner Leber.“, unbeirrt fährt sie fort:
„Und genau die Erde ist die Schnittstelle dieser zwei total gegensächlichen Welten. Durch ihren ungeheuren technologischen Fortschritt, denken unsere neuen Freunde nicht in Jahren, vielmehr in Jahrmillionen in denen sie ihre Zivilisation aufgebaut haben. Sie waren vor etlichen tausend Jahren schon mal hier. Sowohl die vom Griesgramglobus als auch die.., ihren richtigen Namen können wir eh nicht aussprechen, also sagten, sie wir sollen sie einfach „Vierglashalter“ nennen.“
Mein armes Gehirn sucht nach einem Rettungsring:
„Vierglashalter???“
„Mir ging es genauso wie dir. Mann wie peinlich. Dir ist ja auch schon aufgefallen, dass sie Hände mit sechs Fingern und jeweils zwei Daumen haben. Ihre Evolution hat wirklich ganze Arbeit geleistet. Mit diesen Händen ist es ihnen möglich jeweils zwei Gläser zu halten ohne Angst zu haben das etwas verschüttet wird. Genauso wie die Haare, sie sehen nicht nur aus wie Strohhalme, sie werden auch als solche genutzt. Man zieht einen hervor und schon wächst der nächste nach, genau wie bei einem Haifischgebiss, nur eben viel, viel schneller.“
Das erste Mal, dass ich wirklich was verstanden habe.
„Aber wir kommen vom Wesentlichen ab.“ Sophie und ich fürchte auch mein Schüttelhirn gehen in die nächste Runde:
„Sie hinterließen ihre Hintermänner. Die vom Griesgramglobus die einen die Machtgeilen, die Vierglashalter die Partycrew und so ließ man es mal eine Weile laufen. Dass die Scouts hier sind beruht eher auf einem Zufall. Irgendeiner ihrer Leute hatte wohl vor lauter Bier und Wein damals verschludert die Erde im Kataster als erledigt abzuhaken. Wie sie mir sagten passiert das wohl öfter. Somit hat sich auch keiner weiter um uns gekümmert und die Machtmenschen nahmen überhand. Aber wie Du siehst, war ja noch nicht aller Tage Abend; ein bisschen Spaß verstand die Menschheit dennoch.“
„Das erklärt Vieles. Haben sie dir auch das Ding mit dem Nebel veranschaulichen können?“, jetzt werde ich beweisen zu welchen Glanztaten ein verkaterter Schädel imstande ist.
„Konnten sie. Die vom Griesgramglobus beobachten Ihren Machtbereich ganz genau. Sie hielten den wiederholten Besuch der Vierglashalter für eine gezielte Provokation und wollten ein für allemal einen Schlussstrich ziehen. Sie überzogen das komplette, auch das ihnen noch unbekannte Universum mit ihrem, in langer Forschung vorbereiteten, intelligentem Nebel.“
„Intelligenter Nebel?“, mein Hirn schmeißt den Rettungsring beiseite und droht abzusaufen.
„Ja intelligenter Nebel, sie haben diesen Nebel so entworfen, dass er die Bevölkerung eines jeden Planeten in Luft auflöst, sobald sich nur ein Milligramm Alkohol auf ihm befindet. Ein sogenannter Schnüffelnebel, der praktisch Alkohol riechen kann.“
Der Rettungsring ist wieder hier, doch eines will ich noch wissen:
„Soweit so gut, doch warum sind wir dann noch hier?“
„Wir haben gestern lange mit allen die noch dazu fähig waren im Riu-Palace diskutiert. Es muß am Wodka-Brause liegen, den die Leute in Lloret de Mar, die Vierglashalter und wir alle exakt zum gleichen Zeitpunkt getrunken haben. Irgendetwas müssen die Griesgramis in ihrer jahrelangen Forschung übersehen haben. Wir sind uns sicher, dass der Wodka-Brause, genau zum richtigen Zeitpunkt getrunken, das Überleben gesichert hat.“
Ich sitze nach wie vor am Frühstückstisch, total verdattert. So viele Informationen auf einmal hätte ich mir nie träumen lassen. Vor allem habe ich jetzt das Problem Diese zu verarbeiten.
„Gebt mir bitte ein Weizen.“, das einzige was ich noch aus mir rausbringe.
Für den Nachmittag hat Sophie mit einigen der Vierglashalter eine Fragestunde am Ballermann verabredet. Mit dem Hinweis ich solle doch versuchen bis Mittag nicht mehr als drei Bier zu trinken, damit ich auch einen produktiven Beitrag leisten kann, springt sie in den Pool und versäumt nicht, mir den Hauptanteil des spritzenden Wassers zu verpassen.
Gegen 13.30 Uhr begeben wir uns Richtung Strand um ein wenig mehr über die allgemeine Weltraumsituation und unsere weitere Vorgehensweise zu erfahren. Sichtlich stolz auf mich, ich habe es bei dem einen Weizen zum Frühstück belassen, trage ich Sophie Huckepack durch die Schinkenstraße, vorbei an den unaufgeräumten Tischen des Bierkönigs, bis ich sie, komplett außer Atem, auf einem Stuhl am Ballermann absetze.
„Braver Junge.“, Sophie steht wieder auf und kommt mit einem mittlerweile schaumfreien Köpi an den Tisch zurück. Voller Dankbarkeit nehme ich einen tiefen Schluck und blicke auf den Tisch neben uns, wo sich gerade einige Vierglashalter ein paar Strohhalme zusammenstecken um kurzerhand ein Eimerchen Sangria zu leeren.
„Ganz im Ernst“, flüstere ich Sophie zu „kannst Du sie irgendwie auseinanderhalten, außer das es Männlein und Weiblein gibt, erkenne ich keinen Unterschied bei Ihnen. Sie gleichen sich wie ein Ei dem anderen.“
„Geht uns genauso mit euch.“, ruft mir einer der Sangriatrinker nach einem großen Rülpser zu.
Peinlich berührt zähle ich die Sandkörner zwischen meinen Zehen.
„Wir haben uns wirklich gefragt, wie man so komisch aussehen kann, ein Fehlgriff der Schöpfung“, mit einem vollen Eimer kommt er auf uns zu und lacht: „Trinkt zuerst mal, damit Ihr nicht dauernd daran denken müsst, wie Euch die Evolution vernachlässigt hat.“ Ruckzuck hat er für uns Erdbewohner die Strohhalme zusammengefügt, wir bedanken uns tausendfach und der Eimer ist auch schon leer.
„Wenigstens trinken und feiern könnt ihr, selbst wir können nur bewundernd zusehen, wenn Ihr richtig Gas gebt.“ Auch meint unser Freund , kann es Jahre dauern, bis man weiß, wo die genauen Unterschiede sind. Er vergleicht uns für ihre Augen aber auch sie für unsere Augen ungefähr einem Fischschwarm. So dass man dem am einfachsten mit Namensschildern abhelfen könne, die gerade von ein paar seiner Kollegen in einem ihrer Raumschiffe organisiert werden. Ich staune nicht schlecht als wir schon einige Minuten später die Namensschilder von ein paar heranfliegenden Leuten ausgehändigt bekommen. Es ist nicht nur das Fluggerät, welches einer Bierdose mit Sattel und Düsenantrieb ähnelt oder dass sie unsere Namen schon in die Schilder eingedruckt haben. Vielmehr muss ich mir das Lachen verkneifen als ich sehe, wie sich „Dumpfschädel“, „Schrumpfleber“, „Weichhirn“ oder z.B. auch Promilla ihre Schilder anstecken. Eine gewisse „Bacardia“ klärt uns auf: „Wie wir euch ja schon sagten, wäre es ein Unmögliches für euch unsere Sprache auch nur ansatzweise zu artikulieren. Im Gegensatz zu Eurer Zivilisation gilt es bei uns als große Ehre diese Namen zu tragen, da sie für ein großes Maß an Ausdauer beim Feiern und Trinken stehen. Es verhält sich genau so wie wenn bei Euch jemand Felix „der Glückliche“ oder Andreas „der Tapfere“ genannt wird.“ Anerkennend über so viel Weisheit, erhebt Mike sein Glas, prostet ihnen zu, um sogleich eine neue Lage Pils für alle Anwesenden zu zapfen. Bei Anbruch der Dunkelheit frage ich mich, wieso Sophie auf nicht mehr als drei Bier bis Mittag bestand. Das einzig Produktive an diesem Nachmittag besteht darin, dass wir bei der fröhlichen Strandparty, die nach dem Anstecken der Schilder vonstatten ging, wir wenigstens nichts kaputt gemacht haben. Außerdem haben wir es bei der Verabschiedung doch noch bewerkstelligt einen neuen Termin für Morgen um die gleiche Zeit zu vereinbaren.
Auszüge aus der Frage und Antwortstunde am nächsten Tag:
Beat: „Gibt es bei Euch auf dem Planeten auch was Anständiges zu rauchen?“
Lungenflügel: „Bei dem Besuch unserer Ahnen vor etlichen tausend Jahren hier auf der Erde, brachten sie ein paar Cannabis-Setzlinge mit. Die Grundsubstanz dieser Pflanze ist wirklich fantastisch. Doch gehen mit dem Genuss ihrer Produkte, so wie Ihr es kennt, auch einige Nebenwirkungen einher. Unsere Botaniker haben ein Weilchen daran gefeilt, doch das Ergebnis kann sich sehenlassen. Die Suchtsubstanzen wurden herausgenommen, auch kommt es nicht mehr vor in einen depressiven Zustand zu verfallen, vielmehr haben sie es geschafft, nachdem sie es mit einer bei uns heimischen Pflanze gekreuzt haben, das Euphorische herauszuheben. Allerdings,.. ein Nachteil bleibt: In einer Wasserpfeife dieser Art steckt soviel Kondensat wie in 10 Stangen Zigaretten, so dass die meisten von uns, außer mir und noch ein paar wenigen anderen, lieber mit Bier und Wein abgeben und Katererscheinungen dem dauernden Husten vorziehen.“
Sophie: „Bestehen, außer der unterschiedlichen äußeren Erscheinung weitere Unterschiede zu uns Menschen?“
Dumpfhirn: „Nein, unser ganzer Aufbau der inneren Organe entspricht exakt dem der Menschen. Wir werden auch ungefähr so alt wie Ihr. Wir konnten zwar durch technologisches Wissen viele Arbeitsvorgänge vereinfachen und können uns somit voll und ganz auf die „Missionierung“ des Universums konzentrieren, doch vom Grund her sind dies alles nur einfache Spielereien. Der menschliche, wie auch unsere Körper sind wahnsinnig komplex, so dass wir nach einer langen Nacht genauso wie ihr Kopfweh und einen riesigen Brand haben. Wir haben zwar auch unsere Medikamente Forschungsroboter und Arztmaschinen, die euren Wissenschaftlern und Ärzten entsprechen, doch über das allgemeine „Nehmen sie zwei Aspirin und legen sie sich ins Bett“ sind sie wie bei Euch nicht hinausgekommen.“
Jessie: „Habt Ihr so was wie einen Anführer oder hattet Ihr vor dem Nebel einen Regierung?“
Nochmal Dumpfhirn: „Nein, das hatten wir nicht nötig. Es wollte sowieso jeder nur feiern. So kam es nie zu Interessenkonflikten, Machtdenken war uns unbekannt. Wieso auch? Es war genug zu essen und zu trinken da, was immer noch der Fall ist. Die Maschinen erledigen alles. Jeder kann ohne Schwierigkeiten kreuz und quer durchs All jeten. Wenn jemand z. B. eine neues Raumschiff braucht, sagt er es einfach der dementsprechenden Robotereinheit, die sich dann darum kümmert.“
Heidi: „Haben die Griesgramis wirklich das ganze Universum von seinen Bewohnern befreit?“
Trinkernase: „Oh mein Gott nein, wie wir Euch schon sagten, nur Planeten auf dessen Oberfläche sich Alkohol befindet. Somit gibt es noch vier Kategorien von bewohnten Planeten. Da wäre als erstes der Griesgramglobus, dann kämen die von ihnen unterdrückten Galaxien und Planeten, des weiteren welche die zwar keinen Alkohol auf der Oberfläche haben, aber noch nicht unterdrückt sind, da sie noch nicht persönlich von den Griesgramis erreicht wurden. Tja, und als viertes wir, die letzte Bastion der Menschheit und Vierglashalter, das Bollwerk der Partyleute, der Extrinker und Biergenießer, der Gurgelfrösche und Possenreißer.“
Heidi: „Ich verstehe nur nicht, dass wenn eine Macht die Möglichkeit hat das ganze Universum je nach Belieben von seinen Einwohnern zu befreien, warum sie dann nicht gleich alle versklavt haben?“
Trinkernase: „Das ist ganz einfach, sogar Ihr Menschen habt es geschafft einige Sonden auf dem Mars landen zu lassen. Rein theoretisch hättet ihr auch Atomraketen dorthin schicken können um dort alles zu zerstören. Doch um die Einwohner euerem Diktat zu unterwerfen, hättet Ihr schon selbst hinfliegen müssen. Doch das war Euch ja zu weit oder ihr wart einfach noch nicht in der Lage selber dorthin zu reisen. So ist es auch bei den Griesis. Sie sind zwar viel weiter als ihr es je hättet werden können, doch da sie nicht überall gleichzeitig sein können, hat es bis jetzt nur zur Zerstörung aber nicht zur Bereisung des kompletten Universums ausgereicht.“
Heidi hakt nach: „Gab es wirklich so was wie Marsmenschen?“
Trinkernase: „Aber klar doch, sie lebten tief unter der Oberfläche und haben sich dort ein Paradies erschaffen. Kurz bevor wir auf der Erde landeten haben wir sie noch besucht, um zu sehen, ob unsere Missionierung vor etlichen hundert Jahren Früchte getragen hat. Und ich kann euch sagen, sie hat. Die hatten den besten Rum im gesamten Universum. Ihr hättet Euren Spaß an der letzten Party gehabt. Zwei Wochen wurde nur getanzt, gelacht, gegessen und getrunken. Mir kommen die Tränen, wenn ich denke, dass sie sich auch in Luft aufgelöst haben.“
Ich gebe dem armen Trinkernase ein frisches Bier und ein Taschentuch, damit er sich die kleinen Tränchen, die ihm gerade die Backe runterkullern, abwischen kann. Dankbar nimmt er es entgegen und prostet mir zu.
Ein laute Explosion unterbricht die fast andächtig wirkende Stille. Sie kommt vom Meer. Wie vom Blitz getroffen springen wir alle auf und beobachten eines von unseren Schnellbooten wie es ungefähr 300 Meter vom Strand langsam seine Kreise dreht.
„Es funktioniert prächtig, heute Abend gibt es frischen Fisch für alle.“, brüllt uns Mike mit einem Megaphon entgegen. Erst jetzt fällt mir auf, dass Christian und Mike nicht an unserer Fragestunde teilnehmen und sich stattdessen beim „Fischen“ austoben. Wir sehen noch mehrmals einige hohe Wasserfontänen unweit vom Boot hochspritzen, bis sich Christian mit Köcher und Flossen bewaffnet daran macht ihre Beute einzufangen und Mike ins Boot zu reichen. Eine halbe Stunde später gleitet das Boot sanft auf den Strand.
„Ihr seid mir ja ein paar saubere Petrijünger.“, meint Stefan als er die beiden mit einem Bier begrüßt.
„Na ja, vielleicht nicht sportlich einwandfrei, doch wir mussten es doch mal probieren bevor wir anfangen.“, entgegnet Christian.
„Anfangen mit was?“ will Stefan wissen.
„Ja mit Handgranatenfischen.“, wie selbstverständlich gibt Christian Antwort.
„Und was war das?“, verduzt hakt Stefan nach.
„Dynamit“, Christian und Mike grinsen im Kreis „das langt auch um den Fischen den Spaß am schwimmen zu verderben. Ich freue mich schon, wenn wir morgen weiter rausfahren um die großen Brocken zu holen, dann aber wird richtig scharf geangelt.“
Ich habe keine Ahnung, wo Mike das Dynamit aufgetrieben hat. In dieser Beziehung ist er ein richtiges Spielkind.
Mit etlichen Vierglashaltern als Kochlehrlingen im Schlepptau, karren Christian, Karin, Mike und Vera den Fang in unsere Hotelküche.
Nach dieser Einlage ist auch Trinkernase wieder wohlgemut und zapft gerade eine Runde für unseren Tisch. Ich helfe ihm tragen und wir setzen uns wieder zu den anderen.
„Glaubst Du, dass die Griesgramis wissen, dass wir noch leben?“ frage ich ihn.
„Ich denke nicht, es handelt sich ja bei der Erde und bei uns um ihnen wohlbekannte Planeten mit ein wenig mehr als einem Milligramm Alkohol an der Oberfläche. Ich bin mir sicher, dass sie annehmen, nur noch ins All ziehen zu müssen um die bisher neutralen Planeten auszubeuten.“
Am späteren Abend treffen alle in unserem überdimensionierten Hotelrestaurant an. Die Vierglashalter haben sich richtig rausgeputzt und die lächerlichen Hawaiihemden und Fransenröcke gegen ihre normale Kleidung getauscht, die vielleicht ein wenig ausgeflippt anmutet, aber sich nicht wesentlich von unserer unterscheidet.
Sumpfhirn hat mir anvertraut, dass sie annahmen, hier auf der Erde würden alle immer wie auf einer Mottoparty gekleidet rumrennen. Mit dem Hinweis, er solle sich doch mal Filme von Hot-Dog-Essenden Amis in der Karibik oder auf Hawaii anschauen, kann ich ihn nur allzu gut verstehen. Ich bin richtig froh, dass sie wenigstens keine Birkenstock und weiße Socken trugen, was uns Deutschen ja zugute gehalten wurde, als wir sie zum ersten Mal im Oberbayern sahen.
Während sich die Vierglashalter für den Abend frisch gemacht haben, ergänzten wir noch am Nachmittag die Getränkevorräte des Hotels aus den umliegenden Restaurants und bauten aus leeren Bierkisten eine riesige Selbstbedienungsbar. Schließlich ist es unsere Party und wir möchten unseren Gästen wirklich nichts schuldig bleiben.
„Das Büffet ist im Nebenraum eröffnet.“, höre ich Karin durch den Saal brüllen.
„Nicht so gierig.“, meint Sophie als ich losstürmen will und hält mich am Arm.
„Wollte doch nur noch einen Aperitif mit Stefan an der Bar trinken.“, winde ich mich.
„Abgesehen davon, das Du innerhalb der letzten halben Stunde schon mit Mike, Promilla, Schrumpfhirn, Trinkernase und das sind nur die mir namentlich Bekannten einen getrunken hast, bleibst Du jetzt erst mal brav bei mir und wartest bis die anderen auch zum Zuge kommen.“
„Aber..“, will ich gerade entgegensetzen.
Sie gibt mir einen Kuss auf meine sonnenverbrannte Nase und reicht mir ein Glas Wein. Ich fange an zu schnurren und gebe mich gerne geschlagen.
Sophie ist eine charmante Tischherrin. Sie plaudert mit Leberschwund, Gehirnverlust, Schluckadia und noch einigen Anderen dermaßen interessiert, so dass ich mich bequem zurücklehnen kann um den Rotwein zu genießen und die umliegenden Tische zu beobachten. Die ganze Zeit Frage ich mich wie es Karin mit ihrer Küchencrew geschafft hat, ein Essen für so viele Personen zu zaubern. Sie ist ja gewiss eine Künstlerin was das kochen betrifft, doch eben diese Menge? Ich hoffe dass sie nicht einfach den so mit lautem Knallen geschossenen Fisch durch den Fleischwolf gedreht und uns einfach Fischstäbchen oder irgendwelchen Lübecker Eintopf vorsetzen wird. Nachdem ich beim nächsten Glas schon vergammelten Labskaus auf meinem Teller liegen sah, beschließe ich mich gegen alle Einwände von Sophie vom Tisch loszueisen um das Büffet in Augenschein zu nehmen. Zu meinem Erstaunen höre ich keine Kommentare wie „Gierschlund“, „Füllhornzerstörer“ oder „Nimmersatt“. Auf dem Weg zum Nebenraum mache ich noch eine kleine Pause an der Bar, wo sich gerade Stefan mit Mike einen schönen Port zur weiteren Öffnung des Magens gönnt.
„Wie ich sehe seid ihr auch noch nicht weiter gekommen.“, begrüße ich sie
„Oh doch, wir brauchen nur gerade einen Zwischenverdauer, das Büffet ist fantastisch, nur, wenn du nicht zumachst dir etwas zu holen, wird bald nur noch der Nachtisch auf Dich warten.“ Ohne abzuwarten stoßen die beiden miteinander an. Unmittelbar lasse ich sie stehen und stürme in den Nebenraum.
Wie angewurzelt bleibe ich stehen. So etwas habe ich noch nie gesehen. Der Nebenraum entpuppt sich als direkter Zugang in den Wellnessbereich. Kunstvoll sind um die Whirlpools, Wasserfälle, Erholungsoasen und Fitnessgeräte meterlange Tische aufgebaut. Mit seidenen Tüchern und Blumen geschmückt. Jeder Tisch oder besser gesagt jede Tafel verkörpert einen anderen Planeten. Ein Fischplanetenthemenbüffet. Es werden Zubereitungen gereicht, die ich weder je gesehen, geschweige denn jemals gekostet habe. Es riecht in jeder Ecke nach unterschiedlichen Gewürzen und Marinaden. Die gesamten Speisen sind mit verschiedenfarbenen Lichtern ausgeleuchtet, die aus der künstlich geschaffenen Tropfsteinhöhle scheinen. Zwischen all diesen unbekannten Köstlichkeiten entdecke ich Karin, Christian, Vera und Mike mit ihren Kochlehrlingen an einem Tisch sitzen und fröhlich bechern. Vera scheint irgendwie meinen fragenden Blick erkannt zu haben, zeigt auf die Kochlehrlinge und meint:
„Die sind schuld. Wir wollten wirklich heute unser Bestes geben, doch als wir hier ankamen, meinten sie, dass wir doch ganz schön blöd seien, wenn wir annehmen in so kurzer Zeit ein kulinarisches Erlebnis für so viele Gäste zelebrieren zu können. Dann hat“.. wie ich seinem Namenschild entnehme, Wohlstandsbauch. „er zuerst mal in die Tasche gegriffen und seinen Flachmann herausgeholt. Oh Mann, Smirnoff ist ja wirklich ein geiles Gesöff, doch den Wodka, den er aus dieser kleinen Flasche gezaubert hat übertrifft sogar den besten Russischen bei weitem. Nachdem sein Flachmann leer war, griff er einfach in die andere Tasche und holte eine Fernsteuerung heraus. Es dauerte keine fünf Minuten, die wir übrigens mit dem Flachmann von Schlucki überbrückt haben, bis eine ganze Armada von Robotern in Küchenschürzen und Arbeitshandschuhen, inklusive Werkzeug und ein paar geheimnisvollen Taschen anrückte. Seitdem sitzen wir hier und lassen uns von den Küchenrobotern, Mundschenkmaschinen und Aufräumhiwis bedienen. Wie mir Schlucki sagte, seien ihre Raumschiffe nur unweit von hier entfernt und er würde sich freuen, wenn sie uns ein bisschen zur Seite stehen dürften.“
„Gebt mir doch auch bitte einen Verdauungswodka.“, wende ich mich an Gurgolina, die direkt neben Schlucki sitzt.
„Zuerst wird gegessen, Du musst unbedingt versuchen, was wir nicht zubereitet haben.“, legt Karin nach.
„Tschuldigung ich vergaß.“ Ich schnappe mir einen Teller und schaufle ihn von Tisch zu Tisch immer voller. Da wirklich alles so verlockend sich meinen Blicken hingibt, lande ich am Schluss mit einem Tablett mit sechs Tellern wieder bei Sophie und ihren Gesprächspartnern.
„Typisch“, Sophie schaut mich schnippisch an.
„Ja was denn, ich wollte dir und unseren Tischnachbarn nur die Arbeit erleichtern und euch mit allem versorgen.“ Erst beim hinsitzen sehe ich, dass sie schon genügend Teller vor sich haben und schon eifrig am spachteln sind.
„Wenn du nicht so ein Gierschlund....“, Ich hatte es schon fast vermisst. „.. wärest, hättest du bemerkt, dass unsere Vierglashalter nicht nur für die Zubereitung der Speisen sondern auch den kompletten Service gesorgt haben.“ Und in der Tat, erst jetzt bemerke ich, dass Serviceroboter sich aufs eifrigste bemühen uns zufriedenzustellen.
„Wahr wirklich so gemeint.“, versuche ich mich herauszureden.
Sophie ist dermaßen in ihr Tischgespräch vertieft, dass ich nach ein paar Bissen dieses hervorragenden Essens vorziehe noch mal Stefan an der Bar zu besuchen.
Statt Stefan treffe ich Heidi und Beat, die sich auch gerade an dem intergalaktischen Wodka versuchen.
„Weißt Du...“, erklärt mir Beat.
Ich versuche mich darauf zu konzentrieren, wie lange wir für den Aufbau der Bar gebraucht hatten, geschweige denn die Sortimente der Delikatessenläden innerhalb von 300 Metern Umkreis zu plündern, bis wir mal ein einigermaßen vernünftigen Grundstock für ein Galadinner zusammenhatten. Wir haben wirklich alles zusammengeschnorrt, was hier ohne großen Aufwand zu bekommen ist. Es war beachtlich, wenn man bedenkt, dass wir uns hier in einer reinen Tourigegend befinden.
„Weißt Du ..“, Beat rüttelt mich wieder wach.
„Ich habe nachgedacht, die Story von Lungenflügel hat sich komplett meiner Behagnis entzogen. Ich entsage den raucherischen Halluzinationen .“
„Ja spinnst Du denn“, entfährt es mir. Ich muss immer an ihn denken, wenn er gerade seine Wasserpfeifenzeremonie, sei es hier oder irgendwo in den Bergen der Sierra Madre abhält. Ich hatte nie den Bezug zu „Rauchen“ in seinem Sinne. Ich versuchte es ein oder zweimal, war eh schon besoffen und musste kotzen. Doch er hatte immer ein Weltverständnis, das den ganzen Planeten zum Frieden gezwungen hätte. Nicht wie Bob Marley, John Lennon, Hans Söllner oder sonstige Weltverbesserer. Er lebte es, ohne Kommerz ohne Hintergedanken, er rauchte und hätte den Frieden, die Solidarität und Genesungswünsche der gesamten Menschheit vereint.
„Ganz ehrlich..“, ich komme aus dem Staunen über seine Begründung nicht heraus.
„... also, wenn es sich auf der euphorischen Schiene so verhält, wie es Lungenflügel angedeutet hat, ziehe ich doch vor meine Atmungsorgane ein wenig zu schonen. Ich habe mal eine Bericht gelesen in dem es heißt, Alkohol erweitert die Blutgefäße und Nikotin verengt sie. Somit fällt die Wahl nicht schwer, ich mach beides, ich trinke, zur Erweiterung, ich rauche Zigaretten zur Verengung, ich lebe gesund.“
Ein wenig verdattert lausche ich gerade „You came“ von Kim Wilde aus den Lautsprechern, als Heidi mich anknufft und auf den DJ zeigt. Es ist eindeutig ein Vierglashalter. Heidi und ich versuchen zu ergründen, warum es keine DJ Roboter gibt. Gurgolina, die sich gerade vom Tisch der Küchenbrigade erhebt um selbst mal einen Cocktail zu mixen gibt uns Auskunft:
„Es ist emotional. Wir haben unsere Roboter und Maschinen so erschaffen, dass sie sich nur auf die Entgegennahme von Anweisungen verstehen. Sie haben keine Gefühle oder menschliche Regungen. Sie verstehen die Technik und was man daraus machen kann. Sie sind kreativ in allen Belangen jeglicher Entwicklung. Man könnte sogar sagen, dass sie denken. Selbstverständlich könnten wir einem Roboter auch eine Playlist in die Hand drücken und er würde sie abspielen, doch versteht er nichts davon auf die Stimmung im Saal einzugehen. Ein guter DJ erkennt sein Publikum und weiß was es hören will. Er braucht ein Gefühl für die Schwingungen im Raum und vor allem muss er mit Herz bei der Sache sein. Unsere Blechkästen sind für alles geeignet, nur darf man von Ihnen nicht erwarten ein Lied zu komponieren, ein Buch zu schreiben, Liebe oder Leid zu empfinden, sie kennen keine Emotionen und sind somit die perfekten Arbeitsbienen unserer Zivilisation. Und um Euch die etwaige Frage gleich beantworten zu können. Maschinen entwickeln selbstständig keine Gefühle und machen keine Aufstände. Den ganzen Blödsinn, den ihr in Euren Science Fiction Filmen zu sehen bekommen habt, könnt ihr getrost ins Land der Fantasie verweisen.“
„Wirklich perfekt.“, anerkennend mixe ich uns ein paar Cocktails, um Gurgolina zuvorzukommen.