Kapitel 11: Auf Vierglashalter

Vierglashalter:

Wie mir „Barkeeper“ schon sagte, hatte der Planet vor dem Nebel ungefähr 50 Millionen Einwohner, die auf eine Oberfläche von ungefähr 9/10 der guten alten Erde verteilt waren.  Wenn man jedoch den Platz für die Roboter mit einberechnet ist dies nicht allzu viel Lebensraum für jeden, obwohl die überwiegende Anzahl von ihnen meist im Depot auf Abruf wartet. Auf Vierglashalter gibt es drei Klimazonen, die von den unterschiedlichen Sonnen verursacht werden. Eine für die Skifahrer und Apres-Helden. Eine für die, welche mediterranes Klima bevorzugen und einen tropischen Gürtel. Diese drei Sonnen   befinden sich in regelmäßigen Abständen fest verankert. Eine oben, eine in der Mitte, eine unten auf einer Achse zum Planeten, der sich wie bei einem Döner-Grill immer um seine Achse dreht und dem Tag und Nacht Rhythmus folgend, ein Tag besteht hier immer gleich aus 11 Sonnen- und 11 Nachtstunden,  die Strahlen der Sonnen ausnutzt. Dies hat damit zu tun, dass sich die Sonnen immer im gleichen Abstand und Winkel zum Planeten befinden.  Je nachdem was man gerade erleben möchte, steigt man einfach in ein Taxi und ist innerhalb weniger Minuten am gewünschten Ort. Auf Vierglashalter gibt es keine Jahreszeit, dort wo man lebt ändert sich das Klima nie. Doch durch die hervorragende Technik kann man alles, also zum Beispiel Skifahren in den Tropen, überall erleben. Hier unterscheiden sie sich kaum von uns. Es gab auch viele, die sich einfach in Ihrer Stammkneipe um die Ecke  getroffen haben um eine Dorfsause zu feiern. Alles in allem, vielleicht wie die Erde, wenn man die Energien richtig genutzt hätte oder uns kein Nebel dazwischen gekommen wäre. Der größte Unterschied besteht darin, dass eine Heerschar von Robotern bereitsteht um unsere Wünsche zu erfüllen und die Infrastruktur am laufen zu halten. Es herrschte niemals Zwist zwischen den Bewohnern, Führer brauchten sie keine. Das Leben bestand aus einer großen Party.

„Hoffentlich wachsen wir hier nicht um 10%.“, meint Sophie als wir den Ausführungen von Trinkernase folgen.

„Würde vielleicht gar nicht schaden, denn Mike hat bei unserer Reise gut und gerne neun Kilo zugelegt, so könnte man das vielleicht wieder ausgleichen.“, Vera boxt ihn in seine tatsächlich runder gewordenen Hüften und fährt fort. „Aber keine Angst ich habe mal eine Bericht gesehen, in welchem gesagt wurde, dass sich eine geringere Anziehungskraft erst nach Generationen auf den menschlichen Körper auswirkt. Somit sollten wir  genießen, dass wir hier nur 90% unseres Erdengewichtes tragen müssen und alle außer vielleicht Ihr ..“, sie meint Beat, Mike, Christian, Stefan und mich „..sich eine wenig schneller fortbewegen können“.

Bei allem Gelächter über Mike verfalle ich in den Gedanken, warum ich nicht als kleiner Vierglashalter auf Vierglashalter geboren werden konnte. Ich schaue in die Runde und erblicke Sophie, die sich gerade intensiv mit Schlendria unterhält. Von einem Augenblick auf den anderen weiß ich warum.  Doch was ist mit den anderen Bewohnern irgendwelcher mir unbekannten Planeten und Zivilisationen? Die Griesgramis breiten sich immer weiter aus. Wenn wir es nicht verhindern wird der Trübsinn Einzug in das noch verbleibende Universum  halten. „Hey alter Trübsalblaser.“,  ich bin Dumpfhirn so dankbar als er mir ein Vierglashalterweizen in die Hand drückt.

Wir befinden uns momentan immer noch im sogenannten Verteilerzentrum. Hier kann sich jeder aussuchen, wo er denn die nächste Zeit verbringen möchte.

„Ich empfehle Euch die mediterrane Zone.“, meint Trinkernase, als wir fragen, wo denn am meisten geboten wäre.

Wie er mir erklärt, gab es immer unterschiedliche Teams die im Universum ihren Auftrag verrichteten. Jeder bereiste das Gebiet das ihm gefiel und auf dem Weg zur Erde hatte sich eben die Garnison von der gleichen Klimazone von Vierglashalter gemeldet um dort mal für Stimmung zu sorgen. Sie wussten genau, dass sie einige von uns und die Engländer dort antreffen werden.  Wir schließen uns der Empfehlung von Trinkernase an  und beziehen, wie alle anderen auch, unser Quartier nahe der ehemaligen Hauptstadt in der mediterranen Zone, damit wir auf diesem, im Vergleich zu der jetzigen Bewohnerzahl, riesigen Planeten nicht vereinsamen und nachdem Stefan einige Yachten entdeckt, freuen wir uns schon auf seine ersten Startversuche. Die Tage verlaufen mehr als angenehm.

Sophie hat in Schlendria eine sehr gute Freundin gefunden und lässt sich mit weit aufgerissenen Augen die Sehenswürdigkeiten und die Lebensweise von Vierglashalter erklären. Die beiden und vielfach auch Karin, Heidi, Vera und Jessie unternehmen täglich Exkursionen mit dem Taxi rund um den Planeten. Fast täglich werden irgendwo von den dort stationierten Moderobotern neue Kreationen entworfen und bei den dann dort stattfindenden Modeschauen ist die gesamte weibliche Bevölkerung anwesend. „Wie Urlaub vom Urlaub“, meinte Dumpfhirn als wir zum erstenmal frauenfrei an der Strandpromenade saßen und uns bei einem Bier mal wieder „richtig“ über Frauen unterhielten. Auch hier unterscheiden wir uns nicht von den Vierglashaltermännern. Sind die Frauen weg wird gelästert, wobei wir uns wiederum nicht von den Frauen unterscheiden. Die Abende verbringen wir meist zusammen in einem der unzähligen Restaurants, Bars oder Discotheken. Aber auch unterschiedliche private Feiern auf einem der gewaltigen Anwesen kommen nicht zu kurz. Manchmal, wenn uns der Trubel zu viel wird, verschwinden Sophie und ich für ein paar Tage zum Skifahren oder lassen auf einer einsamen Tropeninsel die Seele baumeln. Auch die anderen sind nicht immer in der Hauptstadt anwesend. Doch man findet sich immer wieder zwanglos am Wochenende, oder besser an sieben von zehn Tagen hier ein.

 

„Zeugungsschmerz?“, Sophie guckt mich ziemlich entgeistert an, als sie mir gerade erklärt, dass sich die Befruchtung und das Kinderkriegen auf Vierglashalter kaum von unseren Paarungsgewohnheiten unterscheidet.

Wir haben uns für ein paar Tage auf unsere Lieblingsinsel zurückgezogen und genießen den Service unseres Hauspersonals. Ich versuche es ihr noch mal zu erklären:

„Na ja, Zeugungsschmerz eben, ihr Frauen redet immer über Geburtswehen und dass es wäre als wenn man als Mann einen Ziegelstein durch den Enddarm gejagt bekommen würde. Jedoch wir leiden wirklich schon genug. Wir erleben beim Akt den Zeugungsschmerz und als ob das nicht genügen würde, wir werden auch noch süchtig danach und wollen ihn immer wieder erleben. Daher kann man uns Männer auch als unfreiwillige Masochisten oder Beischlafsamariter bezeichnen, die das alles auf sich nehmen, nur um euch Frauen ein wenig Freude zu vermitteln. Will ja nur wissen ob die Vierglashaltermänner auch so selbstlos sind wie wir .“

„Dir geb ich was von wegen Zeugungsschmerz, alter Genießer.“, und ehe ich mich aus dem Staub machen kann, gießt sie mir schon den Inhalt des Sektkühlers samt Eiswürfeln in die Badehose, um genüsslich an ihrem Glas zu nippen und im Wasser zu verschwinden.

Ich tanze noch immer wie ein Derwisch am Strand herum und versuche auch den letzten Eiswürfel aus dem Badehosengefängnis zu befreien, als sie wieder aus dem Wasser steigt und mir, in sicherem Abstand, fröhlich zuwinkt. Zuerst denke ich noch an eine kleine Vergeltung, doch als sie mich am Liegestuhl mit einem frisch eingeschenkten Weizen begrüßt, sind alle Rachegedanken verschwunden und ich lasse mich zu einer weiteren Dr. Sommer-Stunde über Vierglashalter unter den Sonnenschirm fallen.

„Es bestehen bis auf ein paar merkwürdige Kleinigkeiten wirklich keine Unterschiede.“, legt Sophie wieder los.

„Sie fühlen wie wir. Sie denken wie wir. Sie haben auch die gleichen Interessen wie wir. Nur anatomisch sind sie ein wenig anders ausgelegt. Das Beachtenswerteste scheint mir, dass sie zwar bei übertriebenen Alkoholgenuss genau so schnell, wenn nicht sogar eher, betrunken werden und am nächsten Tag auch so leiden wie wir. Doch bei Ihnen tritt keine Schädigung der inneren Organe ein. Im Gegenteil, je mehr sie trinken desto mehr steigert sich ihr Immunsystem, die Leber wird immer leistungsfähiger und sogar das Hirn kann mit der Zeit absolute Höchstleistungen vollbringen, von Herz und Nieren ganz zu schweigen. Deshalb, so sagte mir Schlendria, die übrigens bei der Nebelkatastrophe auch eine Tochter und ihren Mann verloren hat, sei es bei der Kindererziehung immer  schwer die Balance zwischen Steigerung der Körperfunktionen und den Katererscheinungen des Kindes zu finden. Es ist genauso, wenn wir unsere Kinder zum Sport schicken um den Körper ohne Muskelkater fit zu halten. Sie hatte immer die Devise „mäßig aber regelmäßig“ ihre Tochter abzufüllen.“

„Wirklich erstaunlich“, gebe ich zurück und denke noch mal darüber nach, was aus mir für ein Athlet geworden wäre, wenn ich auf Vierglashalter das Licht der Welt erblickt hätte.

„Bis auf wenige Ausnahmen, wie Dummsuff und Rotweinia, Schnapsi und Cocktaileria und noch ungefähr fünf bis zehn Paaren, sind die meisten Singles. Schlendria sagte mir, es wäre wie in einer Stammkneipe. Man kennt sich flüchtig. Mal lernt man sich näher oder ganz nah kennen. Mal gibt es so was wie eine Romanze. Es gibt längere Beziehungen, Eine-Nacht-Affären und natürlich Trennungen. Manche finden nie einen richtigen Draht zueinander, doch jeder oder jede wird freundlich und mit Respekt behandelt. Frauen oder Männer, die sich in einer Beziehung befinden sind für andere Tabu. Erst wenn man sich,  einseitig ist ausreichend,  getrennt hat, darf wieder um die- oder denjenigen geworben werden. Das ist ungeschriebenes Gesetz und hat sich mit der Evolution schon in den Genen festegesetzt. Es gibt keine Eifersucht. Neue Interessenlagen werden unmissverständlich mitgeteilt und ohne dass irgendjemand böse ist, geht man getrennter Wege, bis der Kreislauf wieder von neuem beginnt.“ Gebannt lausche ich dem, was Sophie zu erzählen hat und werde neugierig:

„Hat eigentlich Schlendria in irgendeinem Zusammenhang mal Christian erwähnt?“, versuche ich diplomatisch zu hinterfragen.

„Wieso Christian?“, sie blickt genauso unwissend wie ich, wenn mich jemand über Stefan ausfragen möchte.

„Nun ja, nur so“, flöte ich zurück.

„Du musst dich nicht verstellen, mein Süßer, ich war in jener Nacht im Riu zwar Tanzkönigin und ziemlich verzaubert, doch die Lampen habe ich mir nicht so wie du ausgeblasen und habe sehr wohl noch die Küsserei von Christian mit einer damals unbekannten, außerirdischen weiblichen Person gesehen. Ich weiß ja nicht was du weißt und seit wann, aber mir ist schon klar, das dies mehr ist als du mir bis jetzt gesagt hast.“ Überlegen schwenkt sie ihr Glas und mit einem schnippischen Augenaufschlag gibt sie mir zu verstehen, dass egal was ich weiß, es weitaus weniger ist als das, was sie schon erfahren hat.

Ich befinde mich in einem Zwiespalt. Ich bin neugierig wie ein Waschweib aber auch solidarisch zu Christian. Ich will vermeiden etwas zu sagen, was eigentlich niemand wissen sollte. Andererseits vertraue ich Sophie zu 110% sie hat ihr Gespür für komplizierte Situationen schon so oft bewiesen, kann, wenn es sein muss, schweigen wie ein Grab und mit dem Gedanken Christian ein wenig zu helfen erzähle ich ihr von seinen Blicken in der Lounge, von unserem Gespräch in der Bar und seiner Genussmaximierung am Strand.

„Irgendwie finde ich, sind es schöne Wesen.“, meint Sophie.

„Ich gebe zu sie vereinen alle guten Eigenschaften des Menschen miteinander, doch schön finde ich doch ein wenig übertrieben; außerdem was hat das letztendlich mit Christian und Schlendria zu tun?“

Ohne ein Wort zu sagen verschwindet sie an der Bar und als sie zwei Minuten später wieder zurückkehrt, reicht sie mir ein Glas mit rubinrotem Inhalt, der gegen die Sonne betrachtet einem Gemälde gleicht:

„Hier, um Dein Hirn und Herz ein wenig zu ölen.“

Ich nehme einen Schluck. Der weicheste Rotwein den ich je getrunken habe. Der Magen ist schon mal geölt, ich bin  gespannt wann er die anderen Organe erreicht.

„Bist Du bereit?“, frägt Sophie, bestellt beim Butler sicherheitshalber noch ein Weizen falls das Öl ausgeht und beginnt schon mit ihren weiteren Erläuterungen:

„Wir Menschen sind so was von uns eingenommen. Wir betrachten uns als Maß aller Dinge, als die Krönung der Schöpfung, geschaffen als Gottes Ebenbild und was kam raus...? Kriege, Verfolgung, Unterdrückung, Völkermord, Leid; gemacht von den Menschen und das zu allen Epochen und bei allen Völkern. Wir haben nicht mal die Einigkeit besessen, dass wir wenigstens uns als menschliche Rasse als schön befunden hätten. Was nicht unserm Bild entsprach wurde zerstört oder ganz ausgelöscht. Ich habe die letzten Wochen viel von Schlendria und den anderen Vierglashaltern gelernt. Alles, wirklich alles ist schön. Ein Stein, eine Spinne, die komischen Hände der Vierglashalter oder ihre O-Beine. Erst das Denken kann jemand hässlich machen. Ich meine das Denken, das anderen Schaden zufügt. Ein Skorpion denkt nicht, wenn er dich sticht. Ein Hai denkt nicht, wenn er dich in Stücke reißt. Sie wollen nur überleben. Es sind ihre Instinkte. Wir sind Menschen. Wir hätten die Fähigkeit zu denken, dass wir Ihnen einfach aus so gut wie möglich aus dem Weg gehen sollten. Wenn ich das sage meine ich nicht, dass wir uns nicht gegen sie wehren müssen, wenn sie uns angreifen. Wenn ein Tiger Menschen reißt gehört er getötet, wenn Krokodile bei einer Überschwemmung in Wohngebiete einfallen gibt es auch keinen Kompromiß. Auch meine ich nicht das Schlachten von Tieren zur Ernährung. Ich will sagen, alle Geschöpfe sind schön und wir dürfen ihnen nicht nur aus Bosheit oder anderen niederen Beweggründen Schaden zufügen. Das Problem auf der Erde lag wahrscheinlich darin, dass wir einfach zu viele waren. Erst als sich die einzelnen Neandertalergruppen, der Cro Magnon Mensch oder sonstige unserer Vorfahren begegnet sind begann das Desaster.“

„Du hast recht, aber komm doch mal zum Punkt.“, ich könnte in einer anderen Situation ewig ihren Ausführungen lauschen, doch ich will endlich alles wissen, was Schlendria und Christian anbelangt. Sophie macht weiter:

„In den Augen der Vierglashalter ist alles schön, sogar wir und wir sehen wirklich putzig-komisch aus wie Schlendria meinte. Leben und leben lassen. Auch wenn auch sie für uns ein wenig eigenwillig anmuten mögen, so sind sie uns in ihrer denkerischen Schönheit weit voraus. Sie lieben zuerst alles und jeden und treten keinem auf die Füße. Erst wenn ihnen einer auf die Füße tritt, wird er hässlich und sie wehren sich dagegen. Sie leben den freien Geist der Selbstentscheidung eines jeden Individuums. Bei ihren Missionierungen kämen sie nie auf die Idee, dem bereisten Planeten die ewige Party aufzuzwingen. Wenn sie nicht wollen reisen sie eben wieder ab.

Doch das sei noch nie passiert. Und je mehr ich über ihre innere Schönheit nachdenke, je schöner finde ich sie auch als Menschen, Wesen oder wie du sie sonst nennen willst. Sogar Du hast schon kapiert, dass sie alles was uns jemals an Güte, Liebe, Verständnis oder sonst was über den Weg gelaufen ist, sich  in ihnen vereint. Sie sind die personifizierte Vervollkommnung des perfekten Menschen. Sie sind schön und denken  das gleiche von uns, sogar von Dir.“

Sie zwickt mich in meine große Nase. Ich weiß was sie meint.

„Ok, sie finden uns schön und nach deinen Ausführungen finde ich sie auch schön, aber die Erotik will sich eben doch nicht so richtig einstellen.“, gebe ich zu bedenken.

„Der Kuss ist schuld.“, endlich geht Sophie ins Detail.

„Aber bitte sage es vorerst keinem weiter, ich musste Schlendria versprechen dass ich es nur dir erzählen werde und für Dich habe ich mich bei meiner Ehre verbürgt.“

„Großes Pfadfinderehrenwort“, sie kann sich auf mich verlassen.

„Wenn eine Vierglashalterfrau einen allen anderen gleichenden auf einem  Planeten küsst, verschwinden, vorausgesetzt die innere Chemie stimmt, alle Vorbehalte gegen das Äußere. Sie sehen zwar immer noch gleich aus, aber die Schönheit kann in echtes Begehren übergehen. Es ist also nicht gesagt, dass wenn sie dich küsst, ihr euch sofort die Kleider vom Leib reißt. Sie sagte mir, als sie vor ihrer Ehe noch Single war, hätte sie diese Praxis schon auf manchem Planeten erprobt, doch meist blieben die Frösche Frösche, aber ein oder zwei Prinzen seien dabei gewesen. Auch das sei ein Grund warum gerade Singles sich keine Erkundungsfahrt entgehen lassen, um im selig, alkoholisierten Zustand andere Planeten zu erkunden.“  

„Ist doch wie bei uns, im halbblinden Zustand habe ich auch schon manche Schrabnelle geküsst, doch am nächsten Tag waren es immer noch Ruinen.“, versuche ich Gleichheiten hervorzuheben.

„Idiot.“, bekomme ich zu hören bevor sie hoffentlich bald auf das Wesentliche kommt:

„Es geht um die inneren Werte, um die innere Erotik die sich nach dem Kuß veräußerlicht. Ihr Männer könntet doch nie mit jemanden ins Bett steigen, wo auch die Optik nicht stimmt. Nüchternheit vorausgesetzt.“

„Ok, ok ich habs kapiert. Aber ich muss dich enttäuschen, wir sind nicht die einzigen die das jetzt wissen.“

Bevor ich weitersprechen kann fällt sie mir schon triumphierend ins Wort.

„Du meinst Jessie....Schluckspecht, ein sehr guter Freund von Schlendria hat ihr unter dem Siegel der Verschwiegenheit schon alles erzählt. Er war es den du mit Jessie aus der Bar heraus beim Spannen mit Stefan gesehen hast.“

„Hoffentlich sind  alle Vierglashalterfrauen so verschwiegen wie Schlendria, dann sparen wir uns wenigstens die Neuigkeit in der Hauptstadtkneipe ans schwarze Brett zu nageln“.

„Meinst Du..“ fast gleichzeitig fangen wir damit an.  Sophie überlässt mir das Wort:

„Meinst Du, dass Jessie jetzt irgendwie sauer oder eingeschnappt wegen Christian ist?“

„Ach nee, überhaupt nicht, die beiden haben schon darüber gesprochen. Ich kenne Jessie und Du Christian, die sehen das nicht so eng. Außerdem ist Jessie schon einen Schritt weiter und verfügt über eine weitere Erfahrung.“

„Sex mit einem Alien?“, will ich wissen.

„Nicht nur das. Die Sache mit dem Kuss habe ich dir ja schon erklärt. Klar das dies bei Vierglashaltermännern genauso funktioniert.“

„Dann können Vierglashaltermänner sicher Kunststücke.“, unterbreche ich sie.

„Typisch Mann. Nein, wenn sie das erstemal miteinander geschlafen haben, bekommt der jeweilige Gegenüber ein individuelles Gesicht. Sie können sich dann auch ohne Namensschilder immer wieder erkennen.“

„Ja wenn das so ist, muss ich ja zuerst alle Vierglashalterfrauen küssen und dann mit Ihnen ins Bett steigen und schon werden alle Namensschilder überflüssig.“, grinse ich Sophie an.

„Wenn du perfekt sein willst musst du auch die Männer mit einbeziehen.“, das Grinsen von Sophie schlägt meines um Welten.

An diesem Abend genießen wir ein perfektes Essen in unserem Meerespavillon, tanzen engumschlungen am Strand und mit dem Versprechen, dass wir es bei der Schönheit der inneren Werte der Vierglashalter belassen, schlafen wir unter dem Glasdach unseres halboffenen Schlafzimmers ein, um uns am nächsten Tag ins Wochenende der Hauptstadt zu stürzen.

 

Sanft setzt uns das gerufene Taxi nach einem kurzen Flug vor unserer Finca ab. Die Gärtner sprengen gerade den Rasen und schneiden die Hecken. Der Poolboy sorgt für frisches Wasser und aus der Küche strömen uns Düfte entgegen, die  vergessen lassen, dass wir erst kurz zuvor, den Tag mit einem verspäteten Frühstück begonnen haben. Der Duft der Zitronenbäume umhüllt meine Gedanken. Ich mache hinter dem Haus eine kurze Besichtigung der Weinstöcke und freue mich schon auf die Verkostung des neuen Jahrgangs, vom Brennen des Grappas ganz zu schweigen, als Mike und Vera reifenquietschend mit ihrem Strandbuggy vor unserer  Garage abbremsen. Hier auf Vierglashalter gibt es zwar sehr effektive Fortbewegungsmittel, doch die Jungs haben schon darauf geachtet, dass der Spaß nicht auf der Strecke bleibt. Vom Schlagen der Türen und der lauten Musik aus meinen Rezeptideen für die verschiedenen Olivenöle gerissen, laufe ich den beiden um das Haus herum entgegen. Auf halbem Wege winken mir die Zwei schon mit jeweils einer Bierdose in der Hand entgegen.

„Na die Arbeitswoche gut hinter Dich gebracht?“, möchte Mike wissen.

„Und das Arbeitszimmer wieder in einwandfreien Zustand hinterlassen?“, kann sich Vera nicht verkneifen.

„Da fragt ihr mal besser Sophie. Aber kommt doch mit auf die Terrasse, sicherlich kann uns Barkeeper einen leichten Aperitif zur Mittagsstunde mixen.“ Sophie kommt gerade vom Topfgucken aus der Küche, als wir es uns unter dem Schatten eines Palmenschirms bequem machen.

Vera und Sophie geben Küsschen. Mike und ich sehen uns an. Wir haben dieses Ritual nie richtig verstanden. Diese Bussi-Szene, die irgendwann mal aus der Schickeria auf uns Normalbürger, insbesondere Frauen übergeschwappt ist. Bussi hier Bussi da, vor lauter Begrüßungszeremonie vergessen sie meist, weshalb sie sich eigentlich treffen. Auch wir begrüßen alte Freunde oder Bekannte nach längerer Zeit des Nicht-Sehens gerne mit einer herzlichen Umarmung, doch Frauen schaffen es, drei Stunden zu telefonieren, auch wenn man nur 200 Meter auseinander wohnt, um als Schlusswort zu sagen: „Ok, bis in 5 Minuten im Café um die Ecke“ um sich dann küssend zu begrüßen und zu fragen, wie es denn so geht.

„Was verschafft uns denn die Ehre eures frühen Besuchs, normalerweise kommt ihr doch nie vor zwei Uhr nachmittags aus der Kiste?“, möchte ich wissen.

Mike gibt sich sehr geheimnisvoll und nimmt einen Schluck seines Manhattan. Ich schaue mir ihn eine Weile an und frage noch mal: „Ja was denn nun, rück schon raus mit der Sprache.“ Mike liebt solche Auftritte und ich versuche es bei Vera. Doch sie ist viel zu sehr mit Sophie und der neuesten Mode beschäftigt, dass ich aufgebe und mir selber an der Poolbar ein Weizen einschenke. Ich will mich gerade wieder setzen als Mike endlich seine Stimme wieder gefunden hat:

„Jetzt sei doch nicht gleich beleidigt. Ich weiß doch wie neugierig du bist und wollte dich noch ein wenig schmoren lassen.“

„Ich neugierig? Ich bin vielleicht wissensdurstig, das ist der Unterschied, Männer sind wissensdurstig – Frauen sind neugierig.“  Trotz ihres intensiven Gespräches hat Sophie meinen letzten Satz mitbekommen. Ich weiß nicht wie Frauen das anstellen, doch noch bevor ich überhaupt zu grübeln beginnen kann oder Sophie ihr Gespräch unterbrechen würde, hab auch ich eine am Schienbein. Ich bin eindeutig der Ansicht, dass sie von Karin nicht alles annehmen sollte.

„Also gut Meister Wissensdurst.“, Mike hat wieder die Initiative übernommen:

„Es sieht so aus, als wenn es unterschiedliche Auffassungen über den Verlauf der Arbeitswoche gibt. Während ihr Arbeit mit Vergnügen verwechselt, haben wir uns hier die Köpfe zerbrochen, wie wir das restliche Universum retten können.“ Ziemlich erstaunt blicke ich zu Vera, die für Mikes Ausführungen das Gespräch mit Sophie unterbrochen hat, drehe meinen Zeigefinger an der Schläfe und zucke fragend mit den Schultern.

„Ach lass dich von dem nicht ins Bockshorn jagen.“, erklärt Vera  „gesoffen haben sie wie die Bürstenbinder, wie gelangweilte Hausfrauen den neuesten Tratsch ausgetauscht und irgendwann, kurz vor dem Verlust der Muttersprache, in Erwägung gezogen, dass sie als Kreuzritter des Alkohols das Universum von den Griesgramis befreien sollten.“

Jetzt kann sich auch Mike das Lachen nicht mehr verkneifen und mit der Einsicht, dass es wohl so gewesen sein müsste, erheben wir die Gläser auf die Befreiung des Weltalls.

„Aber eines weiß ich ganz sicher.“, Mike’ s Augen strahlen fast vor Schadenfreude. „Christian hat was mit Schlendria und Jessie irgendwie mit Schluckspecht. Ich habe sie jeweils zusammen gesehen, als sie in ihre Zimmer verschwanden. Und ich bin nicht der Einzige, auch Trinkernase, Schluckadia, Cocktaileria und noch einige anderen haben sie schon händchenhaltend im Sonnenuntergang gesehen.“ Soviel also zur Geheimhaltung.

Nachdem es nun eh schon offiziell ist, klären wir die beiden über die Zusammenhänge von Beziehungen und  Affären von Vierglashaltern mit Bewohnern anderer Planeten auf, wobei Mike ein schelmisches „Ich auch will“

über die Lippen kommt und prompt von Vera einen blauen Fleck ans Schienbein verpasst kriegt.

„Soll ich Euch ein Taxi rufen?“, frage ich die beiden, als sie beim Rückweg vom Klo schon ein paar Mal die Kurve nicht kriegten und im Pool gelandet sind.

„Nöh du, der Kutscher kennt den Weg.“, Mike zeigt auf Vera, die sich gerade ganz bombastisch, dem Pool ausweichend, den Zeh an einem Tisch angeschlagen hat.

Es ist noch früher Nachmittag, mit ein bisschen Schlaf, danach ein bis zwei Alka-Seltzer könnten sie es bis zum Abendgelage wieder hinkriegen. Ohne Widerstand tragen wir sie zum Taxi und mit dem Versprechen den Buggy abends mitzubringen, zeigen sie beim Einstieg noch lange Nasen und strecken uns bei der Abfahrt noch die Zungen aus der Heckscheibe entgegen.

Sophie und ich plantschen noch ein wenig durch die Wasserfälle, rutschen bis der Hintern brennt, zerknüllen noch ein wenig die Laken, schlafen ein Stündchen, machen uns frisch für den Abend und fahren mit Mikes Buggy gegen die nahegelegene Hauptstadt in unsere Stammstrandbar, wo es, wie gewohnt nach einer Arbeitswoche, eine herzliche Begrüßung gibt und eine ausgiebige Begrüßungsrunde getrunken wird.

„Wir haben einen Plan geschmiedet.“, lässt mich Trinkernase wissen, nachdem aus der ersten Runde nach einer halben Stunde, ungefähr drei oder vier geworden sind.

„Einen Plan für was- Hat es damit zu tun was Mike uns heute Nachmittag eröffnet hat und wir ausziehen werden um das Universum zu befreien?“ möchte ich wissen.

„Fast, denn bis vor ein paar Stunden stand nur die Idee, dass es wohl an uns hängen bleibt alles in die Hand zu nehmen. Inzwischen sind wir schon ein wenig weiter. Wir sind ja schon darauf gekommen, dass unser Überleben etwas mit Wodka-Brause zu tun haben muss. Somit haben wir alle Roboter angewiesen, das Hauptaugenmerk der Produktion auf Wodka und Brausebeutel zu konzentrieren. Wir haben auch schon per Funk die Flotte auf der Erde angewiesen alle Kräfte zu bündeln und möglichst viel von dem Zeug hierher zu schicken. Des weiteren entwickeln die Chemiker gerade einen synthetischen, in elektromagnetische Wellen umgewandelten Wodka-Brause-Schild, der unsere Raumschiffe bei unserem Flug  zum Griesgramglobus umhüllen wird. Wir sind der Ansicht, dass wir das Übel bei der Wurzel packen müssen. Auf allen Planeten, die wir besuchen,  werden wir, falls von den dortigen Bewohnern gewünscht, eine Schluckimpfung vornehmen, die sie Immun gegen den Nebel machen soll.“, klärt mich Trinkernase auf.

„Genau, Schluckimpfung für das Weltall“, unterstützt in Beat. „Obwohl eigentlich Schade, ich hatte mich gerade so schön an das schnelle Reisen auf Vierglashalter gewöhnt. Bei uns zu Hause verfiel ich immer von Winterschlaf in die Frühjahrsmüdigkeit, gefolgt von der Sommerträge direkt hinein in die Herbstdepression und schon war das Jahr um. Hier kann man jeden Tag so richtig nutzen.“

„Du bist doch ein Hirni. Hast du bereits unsere angenehme Reise hierher vergessen.“, erfrischt Heidi sein Erinnerungsvermögen.

„Nein, bei weitem nicht. Aber hier auf dem Planeten ist alles real, natürlich, eben so wie auf der Erde, ich weiß nicht, denn obwohl kaum ein Unterschied festzustellen ist, sehe ich doch auf dem Raumschiff  in meinem tiefsten Inneren das Bild von einer Mogelpackung vor meinem geistigen Auge. Es ist irgendwie das Gegenteil von  Stefan...,  ein weiterer Vorteil der Namensschilder, ...nur wo Stefan draufsteht ist auch Weizen drin. Darauf kann man sich absolut verlassen.“

Sichtlich stolz erhebt Stefan sein Glas: „ Eben, darüber gibt es keine Diskussion.“

Christian, der genauso wie Jessie, heute zur Begrüßung seine neue Turtelei öffentlich gemacht hat, nimmt die Zunge aus dem Mickey Maus Ohr von Schlendria und bringt seine Zweifel zum Ausdruck: „ Ist ja alles schön und gut, ich glaube sogar, dass das Ding mit dem Schutzschild funktionieren kann, doch wie Ihr schon sagtet, seid ihr Euch schon vor ein paar tausend Jahren in die Quere gekommen..“, er blickt fragend in die Vierglashalterrunde. „..Und davor ward Ihr schon Ewigkeiten im Universum unterwegs, ohne dass Ihr den Griesgramis begegnet wäret. Somit gehe sogar ich mit meinen bescheidenen astronomischen Erkenntnissen davon aus, dass es selbst mit den schnellsten von euren Schiffen zehntausende von Jahren dauern wird bis wir den Griesgramglobus erreichen werden. Abgesehen davon, dass wir alle eine nur eine begrenzte Lebenserwartung haben, wie kommen wir immer wieder an frische Nahrungsmittel, falls wir keinen Planeten zur Aufstockung unserer Vorräte finden?“

Sophie meldet sich fragend zu Wort: „Ich habe mich auch schon gefragt, wie wir so schnell auf Vierglashalter ankommen konnten. Wir auf der Erde haben noch nie etwas von einem bewohnten Planeten gehört oder gesehen und selbst wenn wir mit Lichtgeschwindigkeit gereist wären, was sind schon ungefähr 42 Tage. Das Universum hat eine unendliche Ausdehnung.. ich glaube mir wird das alles ein wenig zuviel.“

Dumpfhirn beendet mit einem „Hoch die Tassen“ die astronomische Debatte:

„Ihr Ärmsten habt immer noch die Flause im Kopf, dass die Lichtgeschwindigkeit das Maß aller Dinge sein soll. Vierglashalter liegt, wenn man in dieser Dimension rechnet, soweit von Euch entfernt, dass wahrscheinlich einer eurer affenähnlichen Vorfahren, gestartet zu seiner Zeit, immer noch nicht hier angekommen wäre. Als wir an den äußeren Planeten eures Sonnensystems vorbeirauschten, geschah dies nur, um euch auch mal einen Blick auf die für euch soweit gewähnten Pluto oder Neptun zu gewähren. Wenn Ihr wollt „Sightseeing für Erdenbürger“. Zu diesem Augenblick sind wir quasi erst aus der Parklücke ausgeschert.“

Sophie hakt noch mal nach: „Ja schon, aber hat das gesamte Weltall nicht fast eine endlose Ausdehnung und du selbst sagtest mir damals in Mallorca, dass Ihr schon ewig unterwegs seid und den Griesis erst vor etlichen tausend Jahren begegnet seid. Ich kapier immer noch nicht, wie das geht, so kurze Zeit von Vierglashalter entfernt und dann kommt ihr erst nach einigen tausend Jahren wieder hierher. Vor allem, wenn der Griesgramglobus genauso weit von der Erde entfernt ist, warum seid Ihr Euch dann nicht schon früher begegnet?“

Dumpfhirn bestellt eine doppelte Runde des edelsten Vierglashalterwodkas: „Auf dass Eure Gehirnwindungen die richtige Drehzahl bekommen.“ er prostetet uns aufmunternd zu. Wir schütteln uns noch als er weitermacht:

„Wurmlöcher. Das müsstet doch sogar ihr wissen, abgesehen dass wir sowieso schon wahnsinnig flott unterwegs sind. Bei jedem Planeten, den wir schnell mal besuchen möchten, suchen wir nach dem nächstgelegenen Wurmloch, gehen dort in Startposition und schwupp, schon nach kurzer Zeit sind wir ungefähr genauso schnell wie wir von der Erde zu Vierglashalter benötigten, in jedem Sonnensystem des Universums.“

Sophie ist noch immer nicht ganz überzeugt: „Einiges hab ich verstanden. Doch verstehe ich immer noch nicht, wie es dann solange dauern konnte, dass Ihr den Griesgramis begegnet seid?“

Dumpfhirn bestellt noch eine Runde und einen Doppelten für Sophie:

„Wegen der Dreidimensionalität des Raumes, wie du weißt, begannen wir spiralförmig das All zu missionieren. Das ist nicht, wie ihr es euch vorstellt, eine Spirale nach außen gehend auf ein Blatt Papier zu zeichnen. Ihr vergesst die Räumlichkeit. Wir mussten doch auch das davor und dahinter bereisen, so was kann dauern.“

Nicht aufgebend räumt Sophie ein: „Na gut, doch auch wenn ihr eine ballförmige, nach außen sich bewegende Spirale als Weg genommen habt, so hättet ihr trotzdem viel eher hier sein müssen. Wurmloch ist schließlich Wurmloch; auch hätten die Griesgramis schon viel eher auf der Erde eintreffen müssen.“

„Oh, habe ich ganz vergessen, die ollen Abstinenzler verfügen nicht über Kenntnisse des Wurmlochreisens.“ windet sich Dumpfhirn raus.

Schön langsam gewinnt Sophie die Oberhand: „Ok, aber ihr, ihr hättet doch schon viel früher die Erde erreichen müssen.“ Betreten erkennt Dumpfhirn, dass er sich irgendwie verrannt hat und bestellt nun für sich selbst eine Flasche und trinkt sie auf einen Zug leer. Von den anderen Tischen der Vierglashalter höre ich das Gelächter immer lauter werden, bis schließlich alle sich die Bierbäuche haltend, kringelnd auf dem Boden liegen. Und als plötzlich auch noch Dumpfhirn vor lauter Lachen vom Stuhl rutscht, bleibt uns Erdlingen nichts anderes zu tun als ein Runde zu bestellen und abzuwarten. Erst fünf Runden später erlischt schön langsam das Gelächter und sich die letzte Lachträne aus den Augen wischend erklärt uns Trinkernase: „Bitte entschuldigt, doch diese Geschichte ist wirklich einmalig. Vor vielen 100000 Jahren hatten wir schon einen Wurmlochplan vom gesamten Universum. Wahrscheinlich habt ihr es bei all dem Feiern auf dem Weg von der Erde hierher gar nicht mitbekommen. Aber das letzte, was von dem euch bekannten Universum auf unserem Weg lag, waren Pluto und Neptun. Schon gleich ein paar Galaxien weiter dahinter befindet sich ein Wurmloch, in welches wir direkt eingestiegen sind. Danach war das Schiff nur noch in einem Wechsel von hellstem Licht oder dunkelstem Schwarz eingehüllt. Ein ganz normales Wurmloch also. Diese Löcher sind überall  im gesamten All verstreut. Die Kunst besteht darin es zu finden. Vergleicht es mit einem Salzkorn inmitten eines Sandhaufens, so groß wie ein Einfamilienhaus. Es ist nur einige Meter von uns entfernt, scheinbar zum greifen nah, doch ist es  unmöglich es nur mit den Augen zu erspähen. Vor eben dieser langer Zeit hatten wir einen genialen Forschungsroboter. Er entdeckte alle vorhandenen Löcher und fertigte einen genialen Wurmlochplan vom ganzen Universum. Doch bevor dieser Plan vervielfältigt wurde, hatte dieser Wissenschaftler einen plötzlichen Defekt und musste entsorgt werden. Zur Sicherheit wurde dieser Plan einem Vierglashalter übereignet, der ihn bewachen sollte. Es ist einfach herrlich, Dumpfhirn ist wirklich ein genialer Kopf, doch wenn er sich in irgendetwas reinsteigert, vor allem wenn er schon einiges intus hat, kommt er vom zehnten ins hundertste und vergisst wie er die Geschichte zu ende bringen soll.  Das ist ihm schon öfter passiert, dass er mit diesem Thema andere beeindrucken wollte  und es mit Gelächter endete. Da unsere Standesamtwesen schon seit Entstehung unsere Zivilisation bis heute exzellent funktioniert, weiß jeder über seine Ahnenreihe perfekt Bescheid. Dieser Bewacher des Plans war ein Urahn von Dumpfhirn und der hat ihn irgendwo auf  Vierglashalter, nachdem er vom vielen Aufpassen durstig geworden war, einiges reingekippt hat und dann ohne Orientierung eingeschlafen ist, einfach verbummelt. Erst vor ungefähr drei Jahren ist dieser Plan wieder hinter einer uralten Theke zum Vorschein gekommen und erst seitdem verfügen wir über die Fähigkeit Wurmlöcher zum Reisen zu nutzen.“

„Ich bin so stolz auf meine Vorfahren und versuche mich ihrer würdig zu erweisen.“, immer noch nach Luft schnappend nimmt Dumpfhirn gerade die zweite Flasche in Angriff.

„Du darfst mir ruhig mal auf die Schulter klopfen.“, meint Sophie, die uns mit ihrer Hinterfragerei wirklich einige Antworten ergattert hat. Christian der gerade im Begriff war sich wieder Schlendrias Ohren zu widmen meldet sich noch mal mit einem „ohne mich hättest du überhaupt keinen Einstieg gefunden“ bevor seine Zunge sich wieder mir unbekannten Zonen nähert.

„Ich bin fast stolz auf dich.“, füge ich meinem Schulterklopfen hinzu.

„Wieso nur fast, dich hat doch mit Sicherheit nur der elektromagnetische Wodka-Brause-Schutzschild interessiert, bevor du dich wieder Deinem Standardweizen ergeben hast?“

Von Stefan bekomme ich Rückendeckung: „ Es gibt keine Standardweizen. Jedes einzelne hat etwas besonderes, hat seine eigene Geschichte, sogar eine Zukunft, wenn auch meist in uns“, er prostet mir zu. Wir bekommen wieder mal eine vors Bein.